Hierzulande drängt die Politik zwar nicht das Virus selbst, aber langsam seine Bedeutung zurück – wg. angeblicher “Sehnsucht nach Normalität”. Die Medienmacht, die das übermittelt, unterschlägt dabei geflissentlich, dass jede’ Jeck unter Normalität was anderes versteht. Es bedürfte also einer Klärung des Inhalts von Normalität. Es gibt Weltgegenden, die sich gerne darüber den Kopf zerbrechen würden. Sie kommen nur leider nicht dazu.
Zuvörderst ist da der Südrand der arabischen Halbinsel zu nennen, seit Jahrzehnten ein Seuchenherd sondergleichen. Hier haben die Mächte aber noch nie Seuchen bekämpft, sondern allenfalls ihre Folgen: Flüchtlinge und Piraterie z.B. Die Jungle World veröffentlicht eine Bestandsaufnahme des Jemen-Krieges, ohne Autor*inn*en- oder Quellenkennzeichnung, aber bemerkenswert detailliert in der Analyse. Immerhin hatten diese Woche die Kolleg*inn*en von extra3/NDR auch dazu einen sachdienlichen Beitrag.
Ich weiss, dass in diesen unsicheren Zeiten Verunsicherung nicht gut tut. So lange wir aber in einer Demokratie leben (wollen), kommen mündige Staatsbürger*innen nicht darum herum, zur Kenntnis zu nehmen, dass mit Statistik- und Zahlenfetischismus nicht nur sie selbst, sondern auch zahlreiche Politiker*innen, denen sie Verantwortung gegeben haben, hinter die Fichte geführt werden. Politische Entscheidungen bis hin zur Einschränkung von Grundrechten wurden und werden auf dieser Basis getroffen. Diese Basis ist nicht stabil, und also nicht gut. Die meisten von Ihnen wollen das sicher gar nicht mehr wissen, mir geht es ja ähnlich.
Aber heute ist wieder so ein Tag, an dem die Zeit dafür da ist, und niemand zwingt Sie, also bitte schön: Hinnerk Feldwisch-Drentrup/uebermedien: “Die oft trügerische Sicherheit – Zahlen, Kurven, Trends: Worauf es bei Corona-Statistiken ankommt” und “Die eigenartige Verlaufskurve der Coronavirus-Todesfälle” von Christof Kuhbandner/telepolis.