weiter unten: Kriegshitze in Arabien / Streithitze um Schlachterei & Fussball und in Talkshows
Die Energie- und Klimawochenschau von Wolfgang Pomrehn/telepolis ist immer lesenswert und informativ. Pomrehn hat nicht nur einen genauen und fast enzyklopädischen Blick auf Sachverhalte, der in der Regel weit über den Horizont deutscher Berichterstattung hinausreicht, er hat auch immer einen gedanklichen Begriff von politischen Prozessen. Wo er das nur gelernt hat? Ihm verdanke ich mein mittägliches Erschrecken, dass es soeben nördlich des Polarkreises noch 10 Grad heisser war, als da, wo ich sass, und mir ein Glas kühlen Rosés erlaubte.

Kriegsstaat Vereinigte Arabische Emirate

Mittlerweile kaum noch berichtet wird aus dem Kriegsgeschehen, wo es um die Jahreszeit schon seit Jahrzehnten zu heiss für menschliche Existenzen ist, in Syrien und Libyen. Thomas Pany/telepolis macht auf die öffentlich kaum berichteten Drahtziehereien der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) aufmerksam, die immer im Schatten berühmterer Protagonisten agieren, nicht besser oder schlechter als die, aber in der Regel erfolgreicher und effizienter. Die VAE sind (dadurch?) nicht weniger reich und mächtig; nur bei Berühmtheit erweist sich ihr Verzicht als Stärke.

Wer schlachtet Tönnies?

Um Clemens Tönnies sieht es nicht gut aus. Die Fleischindustrie scheint bereit ihn als Sündenbock zu opfern, um möglichst ungehindert weitermachen zu können wie bisher. Und glauben Sie bloss nicht, dass das davon abhängt, ob Sie Fleisch essen. Wenn Sie was ändern wollen, können Sie das zwar gerne sein lassen, aber vor oppositionellem politischem Engagement werden Sie sich dennoch nicht drücken können.
Auch im Fussball, auf Schalke, sieht es nicht gut aus für den Fleischer. Die Schalker Fanszene war noch nie unpolitisch, und gab meistens ein weit besseres Bild ab, als der von alten reichen Männern ausgezehrte Verein. Ich verdächtige den heutigen Ruheständler und ehemaligen Kulturdezernenten der Stadt Gelsenkirchen, Manfred Beck, der gelegentlich schon Gesicht vor Sportschau-Kameras gezeigt hat, dass er sich in diesen Zusammenhängen nützlich macht.
Auch auf Bundesligaebene gibt es Aktivitäten. Bei diesem bundesweiten Aufruf stellen allein die Fanclubs meiner Borussia rund 20% aller Unterzeichnenden. Ich bin stolz auf Euch!

Was frau in TV-Talkshows lernt

Samira El Ouassil sass vor geraumer Zeit bei Anne Will. Was sie dabei gelernt hat, ist jetzt bei uebermedien auch für uns Nichtbezahler*innen freigeschaltet. Nach meinem Überblick ist alles stimmig und richtig, bis auf eins: “… oder aber, so wie ich, einfach sehr schnell redet, in der Hoffnung, möglichst viel unterzubringen.” Das ist definitiv falsch, erzeugt schlimmstenfalls den Eindruck einer schlimmen Frauenkrankheit. Warum schlagen Männer über Jahrtausende die Frauen beim Kampf um die Macht? Weil sie weniger reden, also weniger über sich enthüllen. Der Master of the Universe in den Disziplinen schnell denken, aber umso langsamer und wirksamer reden, war Helmut Schmidt. Uwe Lyko hat ihn studiert. Ich rate Frau Quassil, in diesem Zusammenhang kein vorteilhafter Name, – und nicht nur ihr! – nicht, diese Jungs nachzumachen. Das wäre unauthentischer Blödsinn. Aber versuchen Sie es mal zu üben, was Schmidt und Genscher über Jahrzehnte erfolgreich praktiziert haben: Denken, das ganz lang und viel. Dann Filtern: was ist meine Botschaft? Dann diese Botschaft fixieren: die muss raus, egal was gefragt wird, und andere gesagt haben. Das kann rhetorisch improvisierend integriert, darf aber niemals meiner Botschaft Platz und Raum nehmen. Zur Not auch alles in der Sendung so oft wiederholen, wie frau dran ist.