Unser Körper und das blamable Gedächtnis unserer Stadt
Selbstbewusste Menschen, die mit sich selbst im Reinen sind, sind schwieriger über den Tisch zu ziehen, auszubeuten, und zu unterdrücken. Da trifft es sich für den Kapitalismus gut, dass so viele sich an Fältchen und Speckpölsterchen an sich selbst so dermassen stören, dass sie bereit sind, Stunden über Stunden, in der Summe viele Wochen, damit zu verbringen, diese Probleme an sich selbst zu bearbeiten. Der Kapitalismus, schlau wie er ist, macht auch das zu einem blähenden Geschäfts- und Profitzweig.
Anja Schrum/DLF-Kultur hat sich das mal näher angesehen. Sie zitiert am Schluss den Buchautor Jürgen Martschukat mit der desillusionierenden Erkenntnis: „Wenn wir uns tatsächlich etwas distanzierter zu den Vorstellungen von Wettbewerb und Erfolg verhalten würden, dann würde sicher auch so etwas wie Fitness sicher weniger relevant werden, weil es dann in der Gesamtgesellschaft etwas weniger um individuelle Optimierung geht.“ Wie sähe unsere Gesellschaft wohl aus, wenn all diese Millionen Menschen ihre Zeit dafür aufgewandt hätten, sich schlauer und klüger zu machen?

Black-Lives-Matter-Blamage für Bonn

Die Stadt Bonn hat es jedenfalls auch nicht getan. Wir sollten uns schämen. Schon vor weit über zehn Jahren gab es eine von Rainer Selmann mit angestossene Debatte um das “Ehrengrab” des Kriegsverbrechers und Völkermörders Lothar von Trotha. Seit der Ermordung von George Floyd eilt die Emanzipationsbewegung “Black Lives Matter” in Lichtgeschwindigkeit um den Globus, und hat zum Glück das kleine Bonn nicht übersehen. Thomas Kramer berichtete gestern in der Aktuelle Stunde/WDR (ab Minute 24).

Black Lives Matter in Afrika

Die Covid-19-Katastrophe in Afrika, vielfach prophezeit, scheint bisher ausgeblieben. Warum, das weiss auch Bernhard Schmid/telepolis nicht, der für das Onlinemagazin aus Paris berichtet. Die Qualität seines Überblicks ist gerade deswegen so hoch, weil er auf die Verbreitung von Gewissheiten verzichtet, und diversen, auch gegensätzlichen Hypothesen Raum gibt, und sie dem deutschen Raum überhaupt mal zugänglich macht. Ein guter Mann.