Muss die TV-Haushaltsgebühr doch gesenkt werden? Anders verstehen die ARD-Intendanten vielleicht die Welt hier draussen nicht mehr. Sie sind schlicht schmerzfrei. Zwar gucken immer weniger zu, 11,3% bisher in diesem Jahr. Aber das Geld fliesst ja weiter. Krise? Virus? Demonstrationen? Nicht bei der ARD und ihren Programmdirektionen. Auch die Mitarbeiter*innen und ihre Vertretungen ruhen still. Jetzt bloss kein Lärm! Nicht unnötig Aufmerksamkeit erregen. Es funktioniert doch. Uns gehts doch gut. Also schweigen und weitermachen, als wäre gar nichts passiert. Und würde es auch in Zukunft nicht …
Unter diesen Vorzeichen sollen nun die Produktionsverträge für drei Talkshow-Trashs, Plasberg, Maischberger (beide federführend WDR) und Will (federführend NDR) stickum im September um drei Jahre verlängert werden.
Das kostet nicht nur einen Haufen Geld. Es verstopft auch Sendeplätze. Es gab Zeiten, da lief das ARD-Kulturmagazin sonntags auf dem Will-Sendeplatz (heute um Mitternacht). Der Sendeplatz von Plasberg montags wäre wie geschaffen für politische, soziale und kulturelle Dokumentationen, die auch mal länger als 45 Minuten sein dürften. Sowas wie “System Error” findet in der ARD vor 23 h überhaupt keinen Platz mehr.
Und ebenso mittwochs 22.45 h nach den Tagesthemen “Maischberger”. Frau Maischberger konnte ohne Zweifel exzellente Studiogespräche mit Einzelgästen führen, nicht nur mit Helmut Schmidt. Stattdessen wird von ihr heute ein ungeniessbarer Gäste- und Themenmix aufgetischt, um möglichst viele Zuschauer*innen anzulocken, was dann doch nicht gelingt. Warum lassen die die Frau nicht das machen, was sie kann?
Und Anne Will? Von mir aus kann sie zu den Tagesthemen zurückkehren. War sie nicht die Letzte, die dort, wie sonst nur Frau Slomka beim ZDF, Politiker*innen noch “grillen” konnte?