mit Update 30.9.
Beim Aufwachen heute morgen, die Augen waren noch zu, war meine erste Sinneswahrnehmung: LAUBBLÄSER! Und der erste spontane Gedanke: also dafür habe ich die gestern nicht gewählt. Aus den asozialen Netzwerken wird ebenfalls als Windrichtung gemeldet: jetzt keine Ausreden mehr! Da habe ich 2016 ja noch gerade rechtzeitig aufgehört, um mir das nicht alles noch anhören zu müssen. Jetzt kann ich selber die Backen aufblasen.
Social-Distancong-Parties ziehen mich nicht an. Also habe ich den Wahlabend vor elektrischen Medien verbracht. Auch aus dem gedruckten GA – in meinem Bio-Bistro ausliegend – geht als eine zentrale Botschaft der kommenden OberbĂĽrgermeisterin hervor: autofreie Innenstadt. Mit Bedacht ergänzt sie, das sie die nicht von oben verordnen, sondern mit einer breiten BĂĽrger*innen*beteiligung erreichen will.
Was ist mit uns in Beuel?
Ist nur die falsche Rheinseite. Was ist mit uns in Beuel? Wenn die neue OB die Abbruch- und Neubauarbeiten am “TausendfĂĽssler” nicht verhindern kann, und davon gehe ich aus, wie will sie dann verhindern, dass sich der Verkehr auf den Adenauerplatz und die KennedybrĂĽcke stellt (von Fahren wird keine Rede sein können)? Als ersten unaufwendigen Schritt könnte sie mal eine Luft-Messstation in Beuel aufstellen – hier gibt es nämlich keine. Der Verkehrsstau aus St. Augustin und Niederkassel, sowie die Abgase der mit SondermĂĽll angetriebenen Rheinschiffe bleiben – beim häufigsten Westwind – ungemessen.
Das allein ist schon viel zu tun. Ich setze noch einen drauf. Im Combahnviertel bekam Dörner 74%, in Schwarzheindorf-SĂĽd 64 und im ganzen Wahlbezirk 62,5% – Guido Deus könnte sie als Dank dafĂĽr ja mal einen ausgeben, der hat fĂĽr sie hier ganze Arbeit geleistet.
Der komplette Wahlbezirk könnte ohne EinbuĂźen, eher mit Gewinnen fĂĽr die Lebensqualität seiner Bewohner*innen, autofrei, d.h. auch parkplatzfrei gestaltet werden. Pandemiebedingte “Abstandsgebote” sind nämlich nicht nur in der zentralen Friedrich-Breuer-Strasse, sondern auch in fast allen Beueler Seitenstrassen eine Virolog*inn*en-Fiktion. Eine gut vertaktete Durchfahrt einer Buslinie auf die andere Rheinseite wĂĽrde vollauf genĂĽgen. Bäcker und Edekas (mit Bringdienst) sind in rollatorkompatibler Entfernung. Niemand braucht hier Schleichverkehr, Abgase und Gefahren fĂĽr Kind und Kegel. Einige StrassenzĂĽge könnten noch ein paar Bäume vertragen, und mehr Plätze fĂĽr Tische und StĂĽhle. Mehr bräuchten wir hier nicht. Die Autos könnten an der Autobahnauffahrt geparkt werden, oder an Stadtbahnhaltestellen. Auf dem BĂĽrgersteigen sehen die alle nur scheisse aus.
Sicher, insbesondere die Bewohner von Altbauten mit nur einer Klingel an der HaustĂĽr wĂĽrden etwas unverwandt aus der Wäsche gucken; auch die vielen, die an der Wahl gar nicht teilgenommen haben. Aber die, die gewählt haben, haben das so bestellt, vielleicht zuwenig Kleingedrucktes gelesen. Es wird ihnen nichts verboten. Sie dĂĽrfen, wenn sie wollen, ihr Auto behalten, mĂĽssen es nur woanders hinstellen/lagern – wo es niemanden in seiner Freiheit einschränkt. Ist das zuviel verlangt?
Noch gut einen Monat Geduld. Dörner tritt ihr Amt erst im November an. Erst am 5.11. wird sie im Stadtrat vereidigt. Erst dann fängt die Lieferzeit an zu zählen.
Update 30.9.: der Ă–sterreicher Hermann Knoflacher ist einer, der weiss, wie Autofreiheit geht. Der ist schon 80. Bonn muss sich beeilen mit einer Einladung.