Mit meinem Freund und Mitherausgeber Michael Kleff, der die Hälfte seiner Zeit in den USA lebt, habe ich heute abend telefoniert. Michael weiss noch nicht, ob er über das Rededuell Trump gegen Biden hier schreiben wird. Ich habe mir den bisherigen Abend auf “Phoenix” angeschaut und bin erschrocken fasziniert darüber, dass gerade mal 5% der US-Bürger noch unsicher sind, wen sie wählen werden. In Deutschland sind es vor Wahlen 30%  – die Wähler*innen sind offensichtlich festgelegt und in gesellschaftliche Schützengräben eingegraben.

 

Skandale ziehen nicht

Trump hat praktisch keine Steuern gezahlt und hat den Buckel voller Schulden. Die Trump-Anhängerschaft wird das nicht kratzen – den Staat zu betrügen gehört zu ihrer DNA, wenn einer wie Trump das umsetzt, klatschen sie Beifall. Das gilt auch für den latenten und offenen Rassismus: Trump-Anhänger sind rassistisch und werden es bleiben. Was auch immer die Kandidaten erklären, wird inhaltlich nur eine untergeordnete Rolle spielen. Es geht heute abend um sehr Archaisches: Die Frage, wer mehr Wind machen und für seine Position Stimmen fangen kann. Dabei wird es weniger auf Argumente, als auf Haltung, Körpersprache und Reaktionsfähigkeit ankommen. Und auf persönliche Schlagfertigkeit und Souveränität.

Wenn Biden wach ist und sowohl dominant als auch souverän auftreten kann – egal, was er sagt – hat er eine Chance. Es ist traurig, aber es wird ein Duell der Primaten. Schade für die Aufklärung und die Demokratie – schaumermal.