Wer medienpolitisch auf dem Stand der Dinge sein, und sich dabei nicht von Nebensächlichkeiten erschlagen lassen will, ist bei der MDR-Altpapier-Kolumne richtig. Besonders, wenn sie, wie gestern, von René Martens ist.
Beachtenswert ausserdem eine “Medienkritik” eines taz-Sportredakteurs. Was Markus Völker zur Corona-Berichterstattung schreibt, lese ich als Kritik an der eigenen Redaktion, in der es bekanntlich oft hoch hergeht. Es ist geeignet, mich als kritischen Leser nicht mit diesem Medium zu “versöhnen”, aber meine eigene Distanz zu verringern.
Medienpolitisch bedeutsam war ausserdem das Quotendesaster der dritten Staffel von “Babylon Berlin” in der ARD am Sonntag auf dem Tatort-Sendeplatz: mit gut 4 Mio. weniger als die Hälfte. Immerhin wären dazu über 1 Mio. Mediathek-Abrufe zu addieren. Ich halte die Serie für gnadenlos überschätzt. Die Medienkritik schreibt sich darüber begeistert besoffen, weil so viel Kapital in diese Produktion investiert wurde. In meinen Augen ist sie Ausfluss der Gegenwartsallergie deutscher Stoffentwickler.
Wenn es schon das randständige Berlin sein muss, dann wäre eine Dramaserie über den dortigen Immobilienkapitalismus und die Mieter*innen*bewegung, die sich dagegen wehrt, jetzt zeitgemäss, inkl. des damit verbundenen Verschwindens der einst diese Stadt prägenden Sozialdemokratie – ich sage nur Sarrazin! Aber je weiter sie in die Vergangenheit greifen, umso weniger Ärger gibt es mit Politik und TV-Sendern.
Bloss keine Anstössigkeit. Wenn sie dann einen fetten Produktionsetat zusammenhaben, halte sie sich schon für Held*inn*en. Arm.