Gezielte Zahlenverwirrung / Auslieferung des Schulsystems / Erinnerung an Melina
Jammern hilft zwar nicht. Aber vielleicht fühle ich mich danach besser. Als stark kurzsichtiger Brillenträger steigert die Maskenpflicht in Beueler Strassen, der ich in der Friedrich-Breuer-Strasse wg. drangvoller Enge durch parkende SUVs sowieso schon nachgekommen war, meine persönliche Unfallgefahr. Die Tröpfchen, auf denen das Virus so gerne reitet, sind auf meinen Brillengläsern gut zu sehen – und sonst nichts. Wenn ich also auf eng vorbeifahrende Autos (und Fahrräder!) einen leicht taumelnden Eindruck mache, liegt es nicht am Alkohol. Wenigstens fand ich im Edeka einen Mitarbeiter, der mir eine passende Glühbirne aus dem Regal suchen konnte.
Immerhin haben wir in Beuel noch Einkaufsstrassen. In vielen Stadtteilen und Dörfern sind sie längst verschwunden. Da wären die Leute froh, wenn sie ein Abstandsgebot bräuchten. Meine Glühbirne gabs sogar in Rollator-Nähe (ich habe eine Bau-, Mediamarkt- und Amazonallergie).
Unterschied zwischen veralteten und neuen Viruszählungen
Ob ich das Virus schon hatte, ob die Immunzellen noch da, oder schon wieder weg sind? Ob und wie oft das Virus auf seiner Reise um die Welt schon mutiert ist? Ob das für meine Immunabwehr (k)ein Problem wäre? Niemand weiss es. Aber Geschichte wird gemacht. Jörg Berger/nachdenkseiten meint nach wie vor: auf unseriösem Fundament. Ich neige dazu, seine Sicht zu teilen (ohne es wissen zu können). Die tägliche, nein halbstündliche!, Abfütterung mit Infektionszahlen ist geeignet Panik zu verbreiten, mehr in Politik und Exekutive, als beim breiten Publikum. Bergers These: die Infektionszahlen im Frühjahr waren weit höher als jetzt, sie wurden mangels Testung schlicht nicht bemerkt und entdeckt. China hatte das Virus an Neujahr der WHO gemeldet, in Deutschland hielt die politische Führung und die meisten Medien es, Trump nicht unähnlich, für ein China-, allenfalls ein asiatisches Problem. Denn es musste noch Champions League (Bergamo! Valencia!) gespielt, Karneval (Gangelt) und Apréski (Ischgl!) gefeiert werden Die Verbreitung von Angst und Furcht, deren Wurzeln seinerzeit gelegt wurden, werden jetzt bewässert: für andere praktische Nebeneffekte. Sie sind nicht auf einzelne Länder und Systeme begrenzt.
Schulsystem fällt IT-Konzernen widerstandslos in die Hände
Der Ex-Piraten-NRW-MdL Joachim Paul, Arbeitskollege einer guten Freundin von mir, gibt bei telepolis einen Überblick über die Überforderung des deutschen Schulsystems. Ich hatte bei der Lektüre nicht den Eindruck, dass der Föderalismus das Problem ist. Die Kompetenzmängel in der öffentlichen Verwaltung sind überall. Sie wird in jeder Hinsicht vom Lauf der Geschichte überrollt, und kann nur noch mit hektischer Panik oder Schulterzucken reagieren. Das ist teuer.
Druck wird nach unten weitergegeben
Dieser aufgeladene Druck und Stress muss irgendwie raus. In der Regel nach unten, wie z.B. diese Reportage aus der Dortmunder Nordstadt schildert.
Melina Mercouri 100
Bleibt zum Abschluss eine schöne Erinnerung: Melina Mercouri wäre jetzt 100. Eine Frau mit kulturellen und politischen Führungsqualitäten, die in der heutigen historischen Situation gewiss gerne dabei wäre. Was würde sie reden, was würde sie singen? Ungefähr und so ähnlich, wie zu ihrer Lebenszeit. Aber nicht, weil sich “nichts” verändert hat, sondern weil sie eine Avantgardistin war. Die von Stephan Ahrens/Jungle World gewürdigten Filme habe ich alle gesehen; sie wären Wiederholungen wert. Einen Soundtrack habe ich auf einer vielgespielten Platte (Vinyl selbstverständlich), aus Griechenland im Rucksack nach Beuel transportiert, etwas verbogen, aber sie läuft noch.