Der Haupttätigkeit fehlt einiges (s.u.)
Tom Buhrow ist als WDR-Intendant einer der bestbezahlten Angestellten der Bürger*innen Nordrhein-Westfalens. Wenn er seinen Job gut macht, habe ich dagegen gar nichts einzuwenden. Die Besten sind für uns Rheinländer*innen und Westfälinnen und Westfalen gerade gut genug, und sollen uns ja nicht von Konzernen aus dem süddeutschen Raum weggekauft werden. Der Herr Buhrow hat nun einen Gastbeitrag bei einem Medium aus dem hessischen Raum abgeliefert. Auch dagegen habe ich nichts einzuwenden. Wohl aber, wenn der Text des von uns bezahlten Buhrow hinter einer Paywall vermauert wird.
Wenn es zur Pressefreiheit des Mediums aus dem hessischen Raum gehören soll, einzumauern, was es einmauern will, dann müsste es doch zu den Pflichten unseres leitenden Angestellten Buhrow gehören, das, was er an Gedanken zu seinen eigenen Aufgaben eines Intendanten eines öffentlichen Mediums aufschreibt, uns, seinen Arbeitgeber*inne*n, zur Kenntnis zu geben. Also z.B. den Text öffentlich zugänglich auf die WDR-Homepage zu stellen. Das wäre das Mindeste.
Mit seinem Text habe ich auch ein inhaltliches Problem. Buhrow vergleicht die Mediensituation in den USA mit seiner eigenen. Einleitend beschreibt er seine Eindrücke aus US-Vorstadtsiedlungen, in denen, im Gegensatz zu ihren deutschen Gegenstücken, keine Zäune vorherrschten – und wie gut ihm das gefallen habe. Dieses Gefallen würde ich mit ihm teilen. Ein bisschen verräterisch ist diese Szeneriebeschreibung dennoch: darüber, wo sich der gutbezahlte deutsche Korrespondent überwiegend aufgehalten hat, bzw. welche Eindrücke besonders nachhaltig für ihn waren. Das Sein bestimmt halt doch stark das Bewusstsein.
Noch verräterischer ist jedoch der folgende Satz zu seinem Selbstverständnis: “Die Menschen müssen spüren, dass wir uns nicht für klüger oder etwas Besseres halten, sondern dass wir für sie da sind, uns in ihren Dienst stellen.” Das heisst nämlich: “wir” müssen ein Programm machen, das auch den Dümmsten gefällt. Denn sonst denken die ja, “wir” hielten “uns … für klüger oder etwas Besseres”. Und so kommen mir immer grössere Teile des WDR-Programms auch vor. Von Programmreform zu Programmreform immer mehr. Darum bin ich schon weg. Programmmacher, die mich für doof halten, die zu feige sind, meinen Verstand herauszufordern (und zu bereichern!), vertrage ich so wenig wie Volkserzieher*innen: überhaupt nicht. Schon gar nicht als leitende Angestellte.
Corona-Medienkritik
Vor enigen Tagen hatte Stephan Russ-Mohl in der SZ eine Kritik der Corona-Medienberichterstattung publiziert, die in der Branche viel Resonanz fand. Auch Buhrows WDR durfte sich mitgemeint fühlen, und tat das wohl auch. Bei bruchstuecke.info berichtet Russ-Mohl über die Steinwürfe aus den Glashäusern, aufschlussreich, unterhaltsam, wichtig.