Harald Staun ist der verantwortliche Medienredakteur der FAS, der FAZ am Sonntag. Er hat einen klaren Kompass und braucht den auch, denn in der Woche regiert dieses Ressort der schwarze Abt des privaten Konzernjournalismus Michael Hanfeld. Auch unter den Vorgängern Stauns (er selbst hält schon 13 Jahre aus, das ist Rekord) war das Ressort in guten Händen, ein Grund, warum ich mir die FAS gelegentlich kaufte, oder sehr gerne sonntags ins Dante (im Beueler Brückenforum) mittagessen ging, weil sie dort lange auslag (ausserdem sprachen mich die einfachen, aber guten Pastarezepte der Wochenkarte immer an; seit längerem ist die FAS dort leider weggespart, und das WLan funktionierte mir auch zu langsam; gleich muss ich wieder zum l’Olivo, mir was Leckeres holen).
Harald Staun führte ein längeres, politisch relevantes Gespräch mit dem Intendanten des Deutschlandfunks Stefan Raue. Wenn ich mich recht erinnere, hat ihn die konservative Bank seiner Sendergremien installiert. Viele seiner Aussagen in diesem Interview sind aber satisfaktionsfähig. Er widerspricht, wie ich, der Redensart von den Medien als einer “vierten Gewalt”. Wenn mich was an was-mit-Medien-Leuten stört, dann diese penetrante Selbstüberhöhung, die durch unsere Verfassung nicht gedeckt ist. Raues selbstkritischer Realismus ehrt ihn also. Dass er in der Debatte um den flüchtlingsfeindlchen Kommentar einer DLF-Landeskorrespondentin aus vorgeblicher Rücksicht auf seine Untergebenen die Klappe hielt, sehe ich dagegen als Schwäche. Das spricht für einen Mangel an Kompass, den sein Interviewer Staun dagegen zeigt.
Lehren aus Trump
Aus der Flut der Stimmen zu diesem Thema ragen mir aktuell zwei Männer heraus – immerhin hat mir den Tipp zu einem von ihnen eine Frau gegeben; der Andere erschien in einem Blatt, das von zwei Chefredakteurinnen (ohne Sternchen) geführt wird.
Thomas Assheuer/Zeit-online: Donald Trump – Der Geist des Kapitalismus
Torben Lütjen/taz: Die Versöhnung fällt aus
Ich versichere: beide bereichern Ihre sonntäglichen Gedankenströme.