Mit fanatischen “Tierschützer*inne*n habe ich mich bei aller Tierliebe immer ein bisschen unverwandt gefühlt. Die Gleichsetzung und Gleichberechtigung von Mensch und Tier widerspricht meinem humanistischen Menschenbild. Ich hänge ausserdem der These an, dass sich die Bedürfnisse dieser Lebensarten bisweilen stark unterscheiden. Ich machte den Unterschied in meiner Jugend praktisch daran fest, dass unser Schäferhund autoritäre Erziehung mit klaren Ansagen brauchte und wünschte, meine 8 1/2 bzw. 10 Jahre jüngeren Geschwister dagegen keineswegs (ausser wenn Sportschau lief).
Das wurde mir gestern wieder bei zwei Nachrichten vor Augen geführt. Ein digitaler Mob fiel über eine Schulklasse her, die sich in wahrlich vorbildlicher Weise über mehrere Jahre mit einem männlichen Kalb und späterem Bullen im Projektunterricht beschäftigte (Video 4 min). Mit einem Nutztier. Die durchbrachen die kapitalistischen Grundregeln rentabilitätsorientierter Fleischerzeugung und verschafften ihm ein weit längeres und glücklicheres Leben, als den meisten seiner Artgenossen vergönnt ist. Klasse-Arbeit, diese Klassenarbeit.
Als medienpädagogischen Nebeneffekt nahmen die Schüler*innen praktische Aufklärung über die Funktionsweise asozialer Medien mit: einen Scheissesturm, der nur stürmen konnte, weil bewusst auf direkte menschliche Kommunikation verzichtet wurde. Liebe Jungs und Mädchen bei solchen Tierschützer*inne*n: solches Treiben, ungehemmt und unbelehrbar weiterbetrieben, kann in Faschismus enden. Das ist die Ideologie, die Menschen am meisten verachtet.
Es hätte eine (un)schöne Beschäftigungsalternative gegeben: dieses Verfahren beim Oberverwaltungsgericht Münster. Münster ist die Provinzialhauptstadt der westfälischen Massentierhalter. Bei diesem Verfahren ging es nicht um einen Bullen, sondern um 66 trächtige (= “schwangere”) Rinder. Habt Ihr nicht rechtzeitig von erfahren? Dann arbeitet an Eurer Bildung: Sozialkunde und Medienkompetenz.
Nachhilfehalbestündchen
Ein erstes Nachhilfehalbestündchen gabs hier bei Studienrat Böhmermann. Es geht nicht gut aus, für Coburg nicht, und für Berlin schon gar nicht. Themen, zu denen es sich zu demonstrieren lohnt, für Fleischfresser*innen und Veganer*innen gemeinsam. Jedenfalls den Teilen von beiden, die noch halb bei Trost sind.