Und: was in Frankreich los ist / Querdenker-Franscheiss / Stadtrettung durch Erdgeschossöffnung / le Carré-Würdigung
Thomas Moser/telepolis berichtet aus dem Parlamentarische Untersuchungsausschuss des Bundestages zum Breitschedplatz-Attentat 2016. Vieles musste er sich erfragen, weil nichtöffentlicht getagt wurde. Vieles hat er aber auc mitbekommen, oder sich erzählen lassen (mit aller Vorsicht). Mein Fazit als Leser verdichtet sich: der Rücktritt des Landesinnenministers in Mecklenburg-Vorpommern hatte mehr gute Gründe, als nur eine Nazi-Pistole.
Aufgewühltes Frankreich
Schon sehr lange achte ich die hervorragende journalistische Arbeit von Bernhard Schmid für Jungle World und telepolis aus Frankreich. Mir wurde in meiner Schule damals kein Französisch angeboten, sondern ich wurde wg. Lehrermangels zu Latein verurteilt (was ich dann erfolglos mit einer 5 im Abi beendete; mir war ein 6er-Kandidat als Nachbar zugeordnet worden, so dass Abschreiben keinen Zweck mehr hatte). Also bin ich auf deutschsprachige Angebote aus Frankreich angewiesen, und Schmid trägt zur Rettung meines Informationsstandes bei. Aktuelle: zusammen mit Sabine Küper-Büsch/Jungle World beleuchtet er die Beziehung Frankreich/Türkei; bei telepolis einen vom Zwiespältigen ins Reaktionäre kippenden Gesetzentwurf, der nur vorgeblich dem “Laizismus” dient.
Querdenker – Folge der Spur des Geldes!
Bana Mahmood und Dominik Lenze/Jungle World haben sich die Mühe gemacht, und das Franscheiss-System des Querdenker-Konzerns des Herrn Ballweg untersucht. Hat sich gelohnt, gute Arbeit.
Stadtrettung _ Raumlüftung & Erdgeschossöffnung
Florian Rötzer/telepolis hat sich näher mit der Frage der Klimatisierung und Reinigung von Innenraumluft beschäftigt. Solche Leute werde glaube ich “Universalgelehrte” genannt ;-) Nebenbei wird hier die Banalität bestätigt, für die die Politiker*innen in diesem Jahr einfach keine Zeit hatten: dass Innenluft virologisch gefährlicher ist als Aussenluft, sich Viren also im Winter weit stärker ausbreiten, als im Sommer. Ach so. Ach du Schreck. Stimmt ja. Warum hat mir keiner was gesacht?
Für die Zukunft und die Rettung von Innenstädten und Stadtteilzentren wird es noch wichtiger, die Erdgeschosse zu öffnen, sie also zu öffentlichen Orten zu machen. Wenn wir das auch vergessen, ist die Stadt, wie wir sie kennen, bald tot. Bernhard Wiens/telepolis weist gerade rechtzeitig darauf hin.
Eine würdige le-Carré-Feier
Ich habe in guter Erinnerung, wie der einstige Geheimagent John le Carré persönlich in Bielefeld bei der Buko-Pharma-Kampagne recherchierte. Daraus entstand sei Roman “Der ewige Gärtner”. Unvergesslich auch sein Werk “Eine kleine Stadt in Deutschland”, mit dem er seine Bonner Agentenepisode verarbeitete. Ich fischte den stark angegrauten und gelesen wirkenden Band auf dem Büroflur im NRW-Landtag aus einer Geschenke-Bücherkiste meiner damaligen Kollegin Susanne Stocks (eine begnadete, liebenswerte Köchin übrigens). Das Buch läuft noch wie ein Film in meinem Kopf ab. Obwohl le Carré schon längst weg war, als ich 1976 nach Bonn kam, habe ich noch fast alles wiedererkannt. Für Bonner*innen, die das noch nicht gelesen haben, sollte es Einbürgerungsbedingung werden.
Noch besser als ich es kann, hat Hans Schmid den grossen, klugen, politisch integren, kreativen Kerl gewürdigt. Schmid ist ein begnadeter schreibender Cineast, und lässt telepolis-Leser*nnen davon profitieren. Meine besondere Empfehlung: der Dreiteiler über Godards “Die Verachtung”. Toll, diese verrückten Menschen …