Österreich droht beim Impfen ein Desaster
Sie sprechen zwar eine ähnliche Sprache. Und dem kulinarischen Zweig ihrer Kultur (Schnitzel, Mehlspeisen, Wein, Caféhaus) bin ich ebenso zugeneigt, wie der Neigung zu witzigem Sarkasmus (sehen Sie die Filme von David Schalko; der letzte Wien-Tatort war von ihm produziert). Mein Lieblings-Österreicher Adalbert Krims ist ein leibhaftiger Klerikalmarxist – das ist an sich schon eine Kunst von Menschwerdung, die ihren Ausdruck in einem Standardwerk über den Woytila-Papst fand. Als Deutsche fürchten wir, dass die total anders sind, und heimlich uns ähnlicher, als wir albträumen. Gechichte, hätte Kohl gesagt.
Heute morgen hörte ich also, dass nur 15-20% des Pflegepersonals in Österreich, also die wichtigen fachlichen Multiplikator*inn*en, sich gegen das Covid-19-Virus impfen lassen wollen (Audio 6 min, am Ende des Beitrages). Dann kann die schwarz-grüne Regierung den ganzen Aufwand auch gleich ganz sein lassen. Hier die Quelle dieser Umfragen, die nicht weniger als ein Desaster der Impfstrategie in Österreich vorhersagen. Ich weiss nicht, wie ähnliche Umfragen hierzulande aussehen. Dass bisher kaum welche veröffentlicht werden, ist vielleicht schon eine Art Auskunft.
Wenn es dagegen ein österreichischer Exzeptionalismus ist, muss sich die EU wohl doch erstmals dazu durchringen, den Zwergstaat unter Quarantäne zu stellen. Ob ihr das gelingt, nachdem selbst der Faschismus von Waldheim bis zur FPÖ sie nicht dazu veranlassen konnte?
Zeitraffer der Natur
Ich zog den verehrten Alexander Kluge zu Rate. Er hat vor einige Wochen Giorgio Agamben geantwortet, die FAZ hat es veröffentlicht. Kluge übersetzt die Naturwissenschaft in philosophische Bildsprache. Bei mir als Leser ist ihm das mal wieder gut gelungen.