Eine 5-Minuten-Recherche: Deutsche Bank, Donald Trump, Beny Steinmetz, Alexey Mordaschow, TUI
Die Deutsche Bank hat endlich irgendwo in ihrem Keller Skrupel entdeckt, mit Mr. Donald Trump Geschäftsbeziehungen zu unterhalten. Wie das gekommen ist? Wüsste ich auch gerne. Die Suche nach solchen Skrupeln hat merkwürdig lange gedauert, als wenn die Entscheider die ganze Zeit auf einem anderen Planeten waren. Die zuständige Kundenbetreuerin von Mr. Trump, Mrs. Rosemary Vrablic hatte am 22.12.20 ihren Rücktritt erklärt.
Ich hatte noch nie von der Dame gehört, wie gesagt, anderer Planet. Neugierig geworden las ich kurz ihren Wikipedia-Eintrag. Bei Wikipedia, wie bei den allermeisten anderen Medien, weiss mann und frau nie, wie seriös das gearbeitet ist, und welche Interessen zu dem jeweiligen Text führen. Jedenfalls kam mir die Aufzählung ihrer berühmtesten Klient*inn*en interessant vor.
Von der Africa Israel Investments Ltd. (AFI Group) z.B. hatte ich noch nie gehört. Ein Fehler, wahrscheinlich, handelt es sich doch um einen global aufgestellten Immobilienhai, also quasi Kollegen von Mr. Trump, und nicht zu vergessen, seines Schwiegersohnes und “Nahost-Experten” Jared Kushner. Und nicht zu vergessen: mit grossem politökonomischem Einfluss in Israel selbst.
Ich vermute nicht nur, ich weiss, dass es in der Regel kein Zufall ist, wenn durch das geeignete Durchstechen von “Nachrichten” solche Kettenkombinationen ingang gesetzt werden. Selten ist es ein dummer Zufall, meistens das Ergebnis der Arbeit von Spin-Doktor*inn*en in Politik und Medien.
Beny Steinmetz
Auf den Gedanken kam ich bei Lektüre dieser recht politischen Gerichtsreportage der SZ über einen Strafprozess gegen den israelischen Milliardär Beny Steinmetz wg. Korruption in Guinea. Prozessiert wird in der Schweiz, weil Mr. Steinmetz von 2010 bis 2016 in Genf gelebt und von dort aus operiert haben soll. Aber selbstverständlich ist die komplette Story reinste Politik. Wen mag Mr. Steinmetz sich zu einem so engagierten Feind gemacht haben, und warum wird er nicht stärker vor Schweizer Staatsanwält*inn*en beschützt?
Alexej Mordaschow und die deutsche TUI-Rettung
Weitgehend bekannt ist, dass die deutsche Bundesregierung den Pauschalreisemonopolisten TUI vor dem Corona-Untergang retten will. 1,8 Mrd. erhält der Konzern, und der Staat zwei Aufsichtsratssitze. Die treffen sich dort u.a. mit Alexey Mordaschow, dem bereits über 25 % von TUI gehören. Und auf den machte soeben, wenig zufällig, die FAZ in einem inhaltlich spektakulären, aber in der Paywall eingemauerten Text aufmerksam. Rосподин Modaschow soll der soundsovielste reichste Mann Russlands und selbstverständlich ein a.o. spezieller Freund von Wladimir Putin sein. Seine wichtigste Säule für Macht und Reichtum sei der Stahlkonzern Severstal, ein globaler Rivale von Arcelor-Mittal. Der Vorläufer-/Eigentümerkonzern von TUI, die Preussag AG, in der zeitweise (1991-98) ein gewisser Bodo Hombach absahnte (bevor für ein kurzes erfolgloses intrigantes Jahr ins Bundeskanzleramt wechselte), kannte sich in dieser Branche auch schon gut aus. Fragen Sie mal unseren Gastautor Ulrich Horn, der weiss da was von. Was der FAZ-Text nicht erwähnte, weil die meisten von uns von alleine draufkommen: wer wohnt auch im TUI-Unternehmenssitz Hannover? Richtig: unser Alt-Bundeskanzler. Immer hängt alles mit allem zusammen.