Was glotze ich im NDR-Fernsehen? mare-TV, extra3, Zapp und gelegentlich die freitägliche Nordstory, wenn sie Hamburg behandelt. Zapp ist bereits zu drei Vierteln beseitigt. Jetzt machen sie Panorama platt, was René Martens/taz sehr bedauert. Bei mir war dieses Politmagazin im Zuge ihrer allgemeinen Entwertung durch die ARD schon aus dem Blickfeld gefallen. Allenfalls Monitor/WDR beachte ich noch. Alle Magazine leiden darunter, dass wichtigere Politiker*innen einfach nicht mehr mit ihnen sprechen. Einerseits aus Angst, andererseits, weil sie es sich leisten können. Meiner Meinung nach würde hier nur noch eine gesetzliche Pflicht, mindestens für exekutive Amtsträger*innen, helfen, innerhalb einer zu setzenden Frist für Medienanfragen zur Verfügung zu stehen und sie zu beantworten.
Was René Martens aus dem NDR beschreibt, findet – oder fand schon – in ähnlicher Form in allen öffentlichen Medienanstalten statt. Die öffentliche Aufmerksamkeit für solche Vorgänge sinkt. Um so skrupelloser können die Akteur*inn*e*n ihre Interessen verfolgen. Eine Kontrolle durch die Rundfunkräte findet nicht wirklich statt, weil sie nach den Gesetzen des deutschen Korporatismus der 50er Jahre besetzt werden, als habe sich die Gesellschaft kaum geändert. Die Nichtexistenz einer modernen Medienpolitik in Deutschland wird diese Medien am Ende zu Tode ruinieren.
Der “heisse Scheiss” ist aktuell das Abtöten journalistischer, kritischer Formate in Glotze und Radio, mittels “Verlegung” ins Internet. Als Konsument käme ich damit klar. Internet kann ich fast überall auf der Welt haben. Theoretisch vergrössert das die Erreichbarkeit.
Das ist jedoch in hohem Masse ambivalent. Zum einen wird Menschen, die älter als ich (64) sind, bedeutet, dass sie den Sendern scheissegal sind. Sollen sie doch selber sehen, wie sie sich informationell und kulturell versorgen – also wie mit den Impfterminen. Zum andern werden gerade Sendeformen, die besonders sind, auf eine riesige wachsende Müllhalde gekippt. Wer wird sie dort noch finden, ausser denen, die gezielt als Fans danach suchen? So wird der öffentliche Diskurs halt so, wie er heute schon ist – jedenfalls nicht besser.
Die öffentlichen Sender legen sich auf den Rücken vor den grossen Machthabern des Internet: Google, Facebook, Amazon, Apple, Microsoft, gerne auch Alibaba oder Baidu: was muss ich Deinen Algorithmen an Schutzgeld zahlen, dass ich noch gefunden werde?
US-Glaubenskriege bei der New York Times
Anne Fromm/taz ist immer wieder eine Wohltat. Ohne missionarischen Schaum analysiert sie aktuelle Konflikte bei der New York Times. Sie unterschlägt nicht die Unvergleichbarkeit zur deutschen Medienlandschaft. In den USA gibt es keine öffentlichen Medien, die ernsthaft relevante Medienmacht ausüben. Das macht die NYT als liberale Stimme so besonders, und so umkämpft. Immerhin hat die angloamerikanische Form des Brutalo-Medienkapitalismus dazu geführt, dass sich die NYT und der britische Guardian früher, gerade noch rechtzeitig, dazu genötigt sahen, um digitale Geschäftsmodelle zu kämpfen, und zwar international und global orientiert.
Deutsche Milliardärsverlegerfamilien ruhen sich dagegen bis heute darauf aus, dass willfährige inkompetente Politiker*innen immer die Gesetze beschliessen, die sie bestellen..
Ist der Kapitalismus also doch irgendwie gerecht, wenn solche Lobby-Geschäftsmodelle untergehen?