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Doch lieber den Södermarkus?

Die CSU ist hier im Westen verrufen, zurecht. In der Merkel-Ära stellte sie mit klarem Abstand die am meisten versagenden Bundesminister (war ‘ne Frau dabei? erinnern kann ich mich an keine). Von ihr gingen regelmässig die aggressivsten Forderungen zur Einschränkung von Freiheits- und Bürger*innen*rechten aus. Der kleine Armin Laschet dagegen betrat als “Integrationsminister” der CDU-Landesregierung Rüttgers 2005-10 erstmals eine grössere politische Bühne. In dem Amt hat er zu vieler Menschen Überraschung nicht alles falsch gemacht. Doch das sind Bilder der Vergangenheit.
Wenn nun eine schwarzgrüne Bundesregierung droht, lohnt es sich, die beiden Kanzlerkandidatenkandidaten genauer und vor allem gegenwärtiger zu betrachten – sowie prospektiv in die Zukunft hineinspekuliert.
Dabei erweist sich der Södermarkus aus der nordrhein-westfälischen Ferne betrachtet, in einem Punkt als unübertrefflich berechenbar: als Opportunist. Als er erkannte, dass der Seehofersche Rechtskurs gegen Merkel u.a., nicht die CSU sondern nur die AfD starkmachte, fing er sogleich an Bäume zu umarmen. Für einen repräsentativen Empfang der populären Merkel fuhr er alles an feudaloptischer Pracht auf, was sein von der CSU-Patronage niedergewirtschaftetes Land noch aufzubieten hat. Ob seine Organisation der Macht Schlüsse auf seine Kanzlerqualifikation zulassen, darüber sind die Meinungen in seiner eigenen Partei – und wer kennt ihn besser? – geteilt, polarisiert. Fragen Sie mal den Seehoferhorst.
Da fällt ein Urteil über den Machtapparat des Armin und angeblichen Nachfahren Karls des Grossen leider um einiges eindeutiger aus. Was Patricia Hecht und Andreas Wyputta/taz über Nathanael Liminski zutage fördern, lässt kaum zwei Meinungen zu. Sicher, für seinen reaktionären Vater kann der junge Mann nichts; er hat ihn sich ja nicht ausgesucht. Seine hochprofessionell-getarnte Arbeitsweise lässt leider nur den Schluss zu, dass er die ähnlich reaktionären Ansichten effektiver unsichtbar halten will. Ganz wie es dem Geist der väterlichen Opus-Dei-Sekte entspricht. Was sich Laschet da eingehandelt hat, ist ein ideologischer Seilschaften-Brückenkopf des “Systems Ratzinger”, das gegenwärtig schon das reichste Erzbistum der Welt, Köln, ruiniert, und geeignet ist auch einem potenziellen Bundeskanzler ähnlich nachhaltig zu schaden.
Liminskis Macht war schon nach einem der ersten offensichtlichen Fehlgriffe Laschets gewachsen. Der hatte den bekennend schwul lebenden Stephan Holthoff-Pförtner, bis zu dessen Ableben Rechtsanwalt Helmut Kohls, im Hauptberuf Multimilliardär in den Branchen Immobilien (Hopf-Gruppe) und Zeitungskonzerne (Funke-Mediengruppe), zu seinem Medienminister ernannt, und die damit einhergehende Interessenkollision glatt übersehen. Schlecht beraten? Oder unberatbar? Jedenfalls “musste” der junge Herr Liminski diese zusätzliche Ressortlast dann in seine NRW-Staatskanzleileitung übernehmen. Er wird nicht gelitten haben und kann jetzt mehr Strippen ziehen, als sein Boss überhaupt kennt.
Boss Armin verliert, wie sich in der breiten Öffentlichkeit rumgesprochen hat, schnell mal die Übersicht. Um nicht zu sagen: er erweist sich als Irrlicht. In der Coronapolitik haben es längst alle gemerkt. Könnten Sie Laschets Position zur Pandemiebekämpfung wiedergeben? Ich sage Ihnen: an Ihnen liegt das nicht. Besonders alt lassen sie Laschet rund um die früh gescheiterte Olympiabewerbung aussehen. Eine Revanche des schwulen Michael Mronz an Schwule-für-krank-Erklärer Liminski? Oft ist es einfacher, als alle denken. Von vielen Kardinälen war/ist bekannt, dass die schlimmsten Schwulenhasser von Selbsthass gequält waren/sind. Aber in diesem Falle glaube ich, Mronz gehört selbst zu den Reingelegten; wenn er schlau (beraten) ist, hat er wasserdichte Beraterverträge abgeschlossen.
Ich masse mir nur an: ich hätte sie schon vor Monaten und Jahren vor diesem Desaster gewarnt. Schlecht beraten? Unberatbar? Egal? So oder so: Kanzler geht anders.

Ein Kommentar

  1. Klaus Böttger

    Ich finde du müsstest aber mindestens auch eine (digitale) Staatsministerin zählen lassen… So viel Gerechtigkeit muss sein! Aber dass mann sich an jene nicht erinnern möchte, verstehe ich schon aus rein professionellen Motiven.

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