Medienbusiness kreist um 50 irrlichternde Künstler*innen – andere drehen unbeachtet frei: Fussballirre, Rüstungsirre, Schlachtirre
Holt Wilfried Schmickler zurück! Er wird mehr gebraucht denn je. Wenn er schon aus den WDR-Mitternachtsspitzen gefeuert wurde, könnte er es vielleicht Küppi mit einer regelmässigen Videokolumne gleichtun. Oder dort eine ständige Rubrik unterbringen. Seine zornigen Vernunft-Interventionen fehlen mehr denn je.
Es gibt Wichtigeres als 50 irregeleitete Schauspieler*innen, die sich neue Berater*innen suchen sollten. Es gibt auch Stimmen der Vernunft in dem Lärm. Anna Loos, Gattin von Jan Josef Liefers z.B., soll laut Berliner Zeitung in einem asozialen Netzwerk geschrieben haben: „Schade, dass die allgemeine Lust an Missverständnis und Zerstörung mittlerweile größer ist als die Neugier und die Lust an der Suche nach Gemeinsamkeit. Wir alle stecken hier gemeinsam drin und wir alle sind am Limit. … Und an jene, die hier mit giftigen Pfeilen schießen, es ist immer besser miteinander zu sprechen als übereinander. Bleibt gesund und habt noch einen schönen Sonntag. Eure Anna“ An gleicher Stelle erklärt Anke Domscheit-Berg, soeben als Spitzenkandidatin der Linkspartei in Brandenburg nominiert, es noch mal den Vielen, die die Medienwelt nicht mehr verstehen. Nicht alle sind von Schwachsinn gequält.
Hinter dieser Pulverdampfgardine spielt sich Wichtigeres ab. Zunächst die Tatsache, dass die aktuelle Impfkampagne zum “Kacktor des Jahres” zu werden droht, weil die Impfstoffe ganz kapitalismusgerecht die Mehrheit der Menschen gar nicht erreichen. In Bonn hingegen sind wir aktuell nah an 100.000 Erstimpfugen. Die Infektionszahlen sinken dennoch bisher nicht. Zum Glück steigt die Belegung der Intensivstationen nur sehr langsam (derzeit 40, zur Jahreswende waren es 54). Entwarnung ist was anderes.
Darum frage ich: warum drehen die perversesten Buzzynezz-Zweige weiter frei? Die deutsche Massentierhaltungs- und -schlachtungshochburg Vechta ist mit einer 7-Tage-Inzidenz weit über 300 ein tiefes dunkles Loch im gut durchlüfteten Niedersachsen.
Die Fussballirren, die trotz angestrengten “Hygienekonzepten” nicht weniger Infizierte haben, als wir hier draussen, wollen weiterspielen (“Quarantäne-Trainingslager”) und planen sogar komplett schmerzfrei eine EM. Und ausser Sport inside/WDR (nur Podcast, der gesendete TV-Beitrag steht nicht online) wollen alle Medien mitspielen, weil das Publikum zur besten Sendezeit jetzt so praktisch eingesperrt ist. Sensationell, dass Sport-Inside-Autor Matthias Wolf (Redaktion: Markus Schmidt) mit seinem letzten Satz, die Fans seien “nur Staffage” komplett unrecht hat. Sie haben die Zeit genutzt, ihre Öffentlichkeitsarbeit zu professionalisieren, dass sogar die dpa sie nicht mehr ignorieren kann. Das ist noch nicht zuende. Und wenn sie jemals wieder in die Stadien gelassen werden, wird dort sehr, sehr viel anders sein als vorher. Davor haben die Fussballoligarchen mehr Angst als vor dem Virus.
Ja, und dann noch diese Kleinigkeit: Kriege, Aufrüstung (Rekordzuwachs im schönen Deutschland) und Manöver kann das Virus nicht aufhalten. Alles müssen wir selbermachen.