69% sind laut Forsa dafür, dass “Nord Stream 2 … auch gegen den Widerstand der USA zu Ende gebaut werden (sollte)”. Nein, das ist nicht, wie ich auch gedacht hätte, die Mehrheit der deutschen Gesamtbevölkerung, sondern die Mehrheit bei den Grünen-Anhänger*innen. Selbst, wenn die Forsa-Daten ihren Auftraggebern Wintershall und “Ostausschuss der deutschen Wirtschaft” geschuldet sein sollten, sind es offensichtlich die Grünen Realo-Missionare, die Realismus erlernen müssen. Die Wähler*innen wissen dagegen erstaunlich gut Bescheid: was sie selbst wollen, und wie realistisch das angesichts der Politik der deutschen und EU-Herrschenden ist. Die Medienkanoniere in den Berliner Büros müssen sich von “Putin-Versteher*inne*n” umzingelt fühlen. Manchmal reisen sie aufs Land, um das verstehen zu lernen. Und manchmal bekommen sie Wahlergebnisse, die sie nicht verstehen.
Die Veröffentlichung der Forsa-Umfrage ist übrigens schon fast eine Woche alt. Haben Sie nichts von mitbekommen? Komisch. Was konsumieren Sie denn für komische Medien?
Sektenhochburg Saarland
Woanders is auch scheisse. Die taz ist bei der Linkspartei als Grünen-Organ verschrien. Darum habe ich einige Tage geglaubt, die taz sei schuld, dass ich die Konflikte in der Saarland-Linken nicht verstehe. Jedenfalls, um welche politischen Fragen der Streit handelt. Aber Kristian Stemmler/Junge Welt hat darauf genauso wenig eine Antwort. Das Saarland ist in meinen Vorurteilen genauso niedrig angesiedelt wie Berlin. Solche Sektiererburgen als Bundesländer zu klassifizieren, ist der pure Sadismus des Grundgesetzes gegen Parteien, Organisationen, Verbände. Nennen Sie mir eine Organisation, in der diese Landesverbände nicht von Irren beherrscht sind. Wohlgemerkt: das Saarland, kleiner als Köln, ist die West-Hochburg der Linkspartei! Zu ihrer Wahlniederlage in Sachsen-Anhalt fällt weder Ines Schwerdtner/Jacobin noch Horst Kahrs/bruchstuecke neben allgemeinem Klagen eine strategische Antwort ein.
“Alternative” Medien – die Schlimmsten?
Harald Neuber/telepolis-Chef, den ich noch zu den Zurechnungsfähigen zähle, beschäftigt sich in beängstigender Ausführlichkeit mit einem Medium namens Rubikon. Was für ein Politikverständnis führt zu so einer Namensgebung? Mich jedenfalls nicht als Leser dorthin. Der von Neuber beschriebene Herausgeber Wernicke war mir in der Vergangenheit gelegentlich als Autor der nachdenkseiten aufgefallen. Die besuche ich noch regelmässig, wobei mir unangenehm die Schmerzfreiheit auffällt, mit der sowohl staatsfinanzierte russische Medien, als auch Springer- und Burda-Medien als scheinseriöse Informationsquelle genutzt werden – jedenfalls wenn sie Frau Wagenknecht eine Tribüne bauen. Solche Schmerzfreiheit bei Medien, die sich für links oder gar radikal halten, verstört mich. Und wenn sie sich so miteinander und untereinander beschäftigen, muss sich niemand mehr über Wahlergebnisse wundern. Ich hör’ jetzt auch auf, und schliesse mit Wichtigem.
Jetzt kommt der Trost
Auf der anderen Seite, rechts oben, ist es genauso schlimm. Annegret Kramp-Karrenbauer hat doch ihre guten Seiten. Die, in denen sie ihre Unfähigkeit demonstriert. Laut Jürgen Wagner/telepolis verspielt sie ihren Job als Bundesministerin, weil sie das grösste Rüstungsprojekt unserer Zeit und unseres Landes FCAS in friedlichen Abrüstugssand setzt, unabsichtlich selbstverständlich. Oder wissen Sie es besser? Ist sie heimlich eine von uns?