Wilhelm Busch ist entlarvt. Als Fan des fundamentalistischen Ayatollahs Bismarck betätigte er sich als Fakenews-Produzent gegen katholische Heilige mit dem Namen Antonius. Er verwechselte Jahrtausende und Kontinente, um seine protestantischen Verschwörungstheorien plausibel zu machen. Es funktionierte. Seine Dichtungen und Zeichnungen erreichten mich bereits als kleinen, mit dem Lesen beginnenden Volksschüler. Und es waren seine pornografischen Bilder, die meine noch unidentifizierten Gefühle wirksam ansprachen und ideologisch kaperten. Es war Anfang der 60er Jahre. Es gab kein Internet, keine schmutzigen Videos, und auch die in den 60ern aufkommenden Männerzeitschriften waren mir noch gänzlich unbekannt. Comics waren noch das versauteste von den Erwachsenen abgelehnte aber für mich gut zugängliche Verderbnismaterial (anner Bude, 50m entfernt von zuhause).
Über 60 Jahre musste ich warten, mich mit absurdesten Mitteln selbsttherapieren, bis Wilhelm Busch nun endlich entlarvt wurde. Von Extradienst-Gastautor Hans Conrad Zander, in seinem neuesten Zeitzeichen/WDR über Antonius von Padua. (Audio 15 min) In aktualisierter Weise führt er uns in die Fraktionskämpfe des Franziskanerordens ein (Armut “materiell” – oder “im Geiste”?), in die pragmatische Nutzung der verschiedenen Antoniusse durch den Antoniterorden in Köln, der seinen Schweineherden durch die Schildergasse trieb.
Mein Leben wäre anders verlaufen, wenn ich das alles geahnt hätte, als mir die jugendgefährdenden Schriften des fanatischen Protestanten Busch in meine unschuldigen Kinderhände fielen. Wo war nur das Jugendamt?
Dank an Extradienst-Leser Klemens Roloff für den Hinweis.