Beueler-Extradienst

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Die Kanzlerin im Ahrtal

“This is Germany” – “What is your message to the world?” – “Wir müssen uns anstrengen.”
Mir persönlich fällt es schwer, mit angemessenen Emotionen auf die Katastrophen zu reagieren, die sich hier in unmittelbaren regionalen Umgebungen, in der Eifel und Voreifel, im Bergischen Land und im wunderschönen Ahrtal ereignet haben. Entlastet fühle ich mich von guten Nachrichten über massenhafte Solidarität, hier z.B. ein Bonner Hotel, in dem ich gerne sehr gut esse, oder durch exzellente Arbeit guter Journalist*inn*en, die einen höllisch schweren und emotional anstrengenden Job machen.
Das Medieninteresse wird dieses Mal vielleicht die eine oder andere Woche länger andauern. Es ist “Sommerloch”, da haben die ja sonst nichts, müssen oftmals selbst Ereignisse und Skandale kreieren. Das ist nun – leider – weitgehend unnötig. Bilder und Dramen werden ausreichend geliefert. Das thematische Zentrum des Bundestagswahlkampfes könnte sich angemessen zum Kern der Probleme verschieben. Niemand hat das nach meiner Beobachtung besser aufgeschrieben, als mein alter Slowfood-Freund Manfred Kriener/taz: die Katastrophe spült den eigenen Fernsehsessel weg. Näher gehts nicht.
Die Weltpresse im Schweif der Kanzlerin
Ein überragend gutes Reportage-Stück (Audio 7 min) lieferte heute morgen die Rheinland-Pfalz-Korrespondentin des DLF Anke Petermann. Sie schlug den Bogen von den Stimmen der Katastrophenopfer bis zur internationalen Klimapolitik, die Bundeskanzlerin mittendrin, die sich mit angemessener Haltung aber nur recht mühevoller Argumentation durch die Trümmerlandschaft schlug. Auch Extradienst-Gastautorin Annette Hauschild war vor Ort und berichtet in der taz.
Die spannende Frage nach dem Sommerloch wird sein, ob die schlimmen Ereignisse ernsthafte politische Folgen haben werden. Sie ist eng verbunden mit der Aufgabe für die Krisen-Grünen, aus ihren selbst verursachten Stimmungslöchern zu krabbeln, und zwar ohne Bescheidwissergestus. Aber auch, ohne von allen geliebt werden zu wollen, selbst von den gesellschaftlichen und politischen Interessen, die in diese ökologische Krise hineinbugsiert haben.
Und die Grünen?
Ich bin zunächst froh, dass die Grünen auf penetrantes gefilmt- und fotografiert-werden-wollen auf den Trümmern hier im Umland verzichtet haben. Angemessener geht es nicht. Eine politische Debatte ist dennoch unentbehrlich. In einem Wahlkampf gibt es kein “Wir alle” – allenfalls für die eine Abwahl fürchtenden Regierenden. Wer neu gewählt werden will, muss die Fehler und die dafür Verantwortlichen adressieren und beim Namen nennen – nicht nur Parteien und Politiker*innen, sondern auch gesellschaftliche Interessen. Denn wer einen ehrlichen, glaubwürdigen Kampf führen will, muss auch sagen, wer die Verursacher*innen sind. Und wer die Kosten schultern muss und kann. Es geht also nur mit Konflikt, nur mit Kampfgeist und Streitlust. Wer darauf verzichtet, kann nicht mobilisieren, und gibt jenen recht, die glauben, Wahlen würden “sowieso nichts verändern”.

Ein Kommentar

  1. Rainer Bohnet

    Ein starkes Land kann so schwach aussehen. Ja! Der Klimawandel betrifft den gesamten Globus. betroffen ist die gesamte Welt. Auch Deutschland, Kalifornien, Japan. Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren. Der Druck auf die Politik wird immer größer. Verfassungsrechtlich durch das Bundesverfassungsgericht. Und jetzt auch durch Überschwemmungen und Starkregen. Ich sage es unmissverständlich: Wer diesen Zusammenhang nicht kapiert oder ignoriert, hat intellektuelle Defizite!

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