Im Viertelfinale um die neokoloniale Weltherrschaft treffen Frankreich und die Türkei aufeinander. Und zwar nicht nur im Mittelmeer, von Libyen über Zypern bis zu Syrien und dem Libanon, sondern sie versprechen gegenwärtig, das komplette nördliche Afrika vom Westen bis zum Osten zu verwüsten. Die Voraussetzungen für blutige Auseinandersetzungen sind hervorragend.
Die Ärsche der amtierenden Präsidenten beider Länder gehen innenpolitisch auf Grundeis. Aussenpolitische Konfrontationen aller Art können sich als “letzte Rettung” entpuppen. Kollateralschäden werden dafür jederzeit in Kauf genommen. Skrupel kennen die beteiligten Männer nicht. Wie komm’ ich drauf? Ist doch gar nichts in den (deutschen) Nachrichten.
Ich will jetzt nicht wieder medienpolitisch ausholen, warum Redaktionen aller Art wichtige Dinge verpennen oder schlicht nicht verstehen. Unsere südlichen Nachbar*inne*n in der Schweiz verständigen sich u.a. in unserer Sprache. Das hat nicht nur Arnold Schölzel klüger gemacht. Der Kerl ist mir politisch nicht sympathisch. Aber er liest die NZZ, und hat da was gefunden, was in der Tat mehr Interesse verdient.
Und siehe, bei den einstigen (das ist sehr lange her) Schölzel-Genoss*inn*en und Renegat*inn*en der Jungle World informiert der unverwüstliche und knackig-seriöse Bernhard Schmid, wo und wie Frankreich und die Türkei ihren Religionskrieg führen. In Mali und in Kürze auch in Niger, ist die Bundeswehr mittendrin statt nur dabei. Der Halbbruder einer guten Freundin tritt gerade einen Botschafterjob in Niger an (nicht für Deutschland). Ich habe gute Freundinnen mit somalischer und togolesischer Familiengeschichte; sie wissen jetzt: Imperator Recep Tayyip ist schon da.
Dem Despoten Erdogan muss man*frau so viel Intelligenz konzedieren, dass er, anders als z.B. ein Norbert Röttgen, die politische Relevanz von “Soft Power” begreift: weit kostengünstiger, effizienter, nachhaltiger als jegliches Totschiessen (wobei er dagegen gewiss auch keine Skrupel hat). Wie sein Despotenkollege Lukaschenko kennt er die weltabgewandte Flüchtlingsphobie der EU-Mächte, und weiss sie an dieser Schwachstelle beständig zu quälen. Dass ausgerechnet dieser schwer beratbare, herrschsüchtige Despot sich und seinen Leuten mehr Arbeit macht, um die soziale Realität in den betreffenden Ländern zu verstehen und – selbstverständlich für seine eigenen strategischen Zwecke – zu analysieren: das ist für die weit stärkere und mächtigere EU mit Deutschland und Frankreich an ihrer Spitze ein Offenbarungseid, ein politischer Konkurs.
Den Franzosen und Deutschen in ihrem gegenwärtigen Wahlkampfstress, und damit einhergehender Borniertheit rund um den eigenen Politiknabel, kommt jegliche strategische Intelligenz abhanden, und wird durch für die einheimische veröffentlichte Meinung gedachte symbolische Panikreaktionen ersetzt.
Herrgott, wirf Politik vom Himmel. Und schick ein paar Engelein dazu, als ernstzunehmende Politiker*innen.