Zunächst vorbemerkt: ich bin Ungläubiger. Religionen hänge ich nicht an, Ideologien, so weit ich es selbst überblicke, auch nicht. Aus Letzteren setze ich mir selbst Elemente zu einem roten Faden, einer Linie, zusammen, die mir das menschliche Leben lebenswert machen bzw. erhalten soll. Ich bin ein Fan des Grundgesetzes, der besten Verfassung, die Deutschland jemals hatte, und an dem ich bedaure, dass es die Alltagspraxis dieses Landes zu wenig prägt: darum “Das Grundgesetz in die Gesellschaft hineintragen” (Jungdemokraten, 70er Jahre). Mit der DDR-Verfassung hatte ich mich selbst nicht beschäftigt. Übernehmenswert aus der gesellschaftlichen Praxis “drüben” fand ich die Existenz- und Arbeitsplatzsicherheit; ferner hatte ich von ortsnahen Polikliniken viel Gutes gehört. Alles Genannte wurde von der BRD 1990 absichtsvoll nicht übernommen. So weit, woran ich als Linksliberaler und Linksgrüner selbst glaube. Einige halten das für “versifft” – die haben vor allem mit sich selbst ein schweres Problem, um das ich sie nicht beneide.
Afghanistan
Warum sich in Afghanistan die militärisch exponenziell Überlegenen so schmählich blamierten, das erklärt der Autor Emran Feroz in einem telepolis-Interview mit Thomas Pany. Feroz hat ein Buch geschrieben: “Der längste Krieg. 20 Jahre War on Terror.” aus dem telepolis einen Auszug veröffentlicht.
Klimadebatte
Aus einem weiteren Buch publiziert uebermedien einen Auszug (danke, ohne Paywall!): “Lea Dohm, Felix Peter, Katharina van Bronswijk (Hg.): Climate Action – Psychologie der Klimakrise; Handlungshemmnisse und Handlungsmöglichkeiten”. Die Autor*inn*en beklagen den haltungslosen vorgeblich “wertfreien” Journalismus der Mehrheit der vorherrschenden Medien. Würde er sich durchsetzen, würden wir alle verlieren. An der Reihenfolge des Ersaufens und Verbrennens würden wir ein letztes Mal unsere Klassengesellschaft erkennen.
Haltung ohne roten Faden
Eine traurige Autobiografie veröffentlicht derzeit in zwei Folgen (eine noch hinter Paywall) die Junge Welt: die des 2003 verstorbenen Walter Barthel. Ich kannte ihn als immer etwas überhitzten Büro- und Arbeitskollegen meines guten Freundes Rudolf Schwinn. Während Letzterer zeitlebens ein zunehmend verzweifelter fortschrittlicher Sozialdemokrat war und ist, war Barthel nicht nur ein dauerhafter linker Renegat, sondern auch Mitarbeiter diverser Geheimdienste. Wenn ich seinem Text glaube, wozu ich nicht sehr neige, dann glaubte er selbst, er könne mit den Diensten spielen. Tatsächlich aber spielten sie mit ihm. Gegen dieses Milieu, mit dem ich gelegentlich leibhaftigen Kontakt hatte, habe ich mich Arbeits- und Abhängigkeitsverhältnisse betreffend, immer ferngehalten. Immunisiert durch meinen linksliberalen Jugendverband. Das ist Barthel offensichtlich sein ganzes Leben überhaupt nicht gelungen. Kein Einzelfall. Und ein Grund mehr, dieses klandestine, undurchsichtige, teilkriminelle und demokratiewidrige Milieu politisch auszutrocknen.
Barthels zweiter Teil, in dem der Namensvater dieses Blogs, der Berliner Extradienst einen Auftritt bekommt, wird erst heute online für mich nachlesbar. Bei Bedarf kommentiere ich weiter.
Update: nach Lektüre des zweiten Teils habe ich dem nicht hinzuzufügen.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net