Wie gut, dass wir keine Ossis sind. Oder?
Extradienst-Gastautor Peter Wahl ist zu seiner Berliner Zeit (oder auch schon davor) regelmässig zu Urlauben nach Usedom gereist. Es muss ihm gefallen haben. Obwohl dort doch bis zu einem Drittel AfD wählen. In meinem Gegenstück an der Nordsee, der Krummhörn, wählen sie noch SPD, wenn das woanders schon keine*r mehr tut. Ich würde darum das Bestreben der SPD in Berlin und MeckPomm infragestellen, die Bahnverbindung nach Usedom zu verbessern
1945 war es kein Starkregenereignis, sondern die deutsche Wehrmacht, die die Peene-Brücke, und damit die schnellste Bahnverbindung von Berlin auf die Insel, zerstörte. Seitdem haben es vier Jahrzehnte realer Sozialismus und weitere drei Jahrzehnte realer neoliberaler Kapitalismus nicht geschafft, das bisschen Infrastruktur wiederherzustellen. Stattdessen streiten sich Kosten-Nutzen-Rechner von Bund, Land und Kommunen – bis sie die Rente durch haben und sich zur Ruhe setzen.
Ahrtalbahn
Wie wird es nun wohl der Ahrtalbahn ergehen? Ich erinnere mich noch an Durchsagen im Bonner Hauptbahnhof für Züge nach Adenau. Das ist nun schon fast 40 Jahre vorbei. 1985 wurde alles, was über Kreuzberg hinaus ging, dichtgemacht. Schade eigentlich. Jetzt ist alles seit dem Unwetter im Juli zerstört. Der Wiederaufbau wird langwierig, kompliziert und teuer. Lediglich bis Walporzheim soll noch in diesem Jahr wieder was fahren. Extradienst-Autor Rainer Bohnet schlägt vor, die Gelegenheit doch gleich für eine Elektrifizierung der Strecke zu nutzen. Ich würde dem ampelregierten Bundesland darüber hinaus raten, ein Mobilitätskonzept zu entwickeln, das wieder über Kreuzberg hinausreicht. Andernfalls wird die landschaftlich idyllische aber sozial beinahetote Gegend bald komplett aussterben. Oder wollen sie das – alles abhängen?

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net