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Ich war noch nicht wach, las es nachträglich, immer noch nicht ganz wach. Was soll ich davon halten? Ichweisesdochauchnicht. Also lesen Sies einfach selbst.

Niels Schniederjann/DLF: Postliberalismus: Die Machtfrage – Muss die Linke sich von ihrem eigenen Liberalismus befreien? – Die politische Linke steckt in der Krise. In den vergangenen Jahrzehnten hat sie ihre Fähigkeit verloren, eine glaubwürdige Alternative zum bestehenden System anzubieten. Damit hat sie ihr ureigenstes Terrain preisgegeben. Wie konnte das geschehen?”

Teaser-Text des DLF: “Die politische Linke steckt in der Krise. In den vergangenen Jahrzehnten hat sie ihre Fähigkeit verloren, eine glaubwürdige Alternative zum bestehenden System anzubieten. Damit hat sie ihr ureigenstes Terrain preisgegeben. Wie konnte das geschehen? Es gibt einen sehr einfachen, aber tiefgreifenden Grund für den Niedergang der gesellschaftlichen Linken: Sie ist liberal geworden. Sie verteidigt individuelle Rechte statt auf kollektive Macht zu setzen, sie blickt bei politischen Auseinandersetzungen auf Verfassungsgerichte statt auf Volkssouveränität, flüchtet in juristische Verfahren. Auf der anderen Seite des politischen Spektrums wird der Liberalismus hingegen mit neuer Härte attackiert: Die sogenannten ‘Postliberalen’ versuchen, das Politische jenseits liberaler Einhegung zu denken. Was, wenn man von den Postliberalen etwas lernen kann? Was würde es für die Linke bedeuten, sich aus dem Bündnis mit dem Liberalismus zu lösen? Gibt es vielleicht sogar das Potenzial für eine ‘postliberale Linke’? Nils Schniederjann ist Journalist in Berlin. Für den Deutschlandfunk moderiert er unter anderem das Magazin für Politische Literatur ‘Andruck’ und die halbstündige Gesprächssendung ‘Tacheles’. Gemeinsam mit Sebastian Friedrich betreibt er außerdem den Newsletter und Podcast ‘Über Rechts’.”

“Postliberalismus”, “Postliberale” – kannte ich bisher nicht. Eine theoretische Krücke oder ein Begriff mit Substanz? Wolkig oder nützlich? Es ist Sonntag, und Zeit zum Nachdenken.

Einen Fehler kann ich schon benennen: Migration ist – historisch und gegenwärtig – grösser als der Liberalismus. Egal, ob mit oder ohne “Post-“.

Lesen Sie ergänzend dazu die durchaus subjektiven Erinnerungen von Extradienst-Autor Detlef zum Einkel/bruchstuecke: “Nostalgie: Eine Zeitenwende der Grünen”, die durchaus besser dazu passen, als Sie denken. Meine unterscheiden sich signifikant zu seinen; legitim sind jedoch weit mehr als zwei.

Für mich, dessen Familie vom malochenden Proletariat zum leitenden-Angestellten-Bürgertum aufstieg, waren schon die “68er” (ich war 11) nicht nur eine Minderheit der Bevölkerung, sondern auch in ihrer “Generation”. Schnell war die Luft raus, und sie verteilten sich zellteilungsartig auf diverse scheinrevolutionäre Sekten, mit denen sie – so wie die RAF den Polizeistaat – den real existierenden Kapitalismus mehr stabilisierten, als ihnen lieb war. Mich zog es mehr an die Front der politischen Mehrheitsbildung, und die befand sich in den 70ern in der FDP. Als sich 1982 herausstellte, dass diese Strategie gescheitert war, verliess ich sie wieder, und mit mir einige tausend weitere vernünftige Menschen.

Gesellschaftlich formierten sich in jener Zeit eine Umwelt-/Anti-AKW-Bewegung, sowie eine aktualisierte Friedensbewegung. Beide hatten insofern einen eingebauten antikapitalistischen Ansatz, weil sowohl die Atom- als auch die Rüstungsindustrie ein Spielfeld für ausschliesslich besonders grosses Grosskapital waren und sind. Auf beiden Bewegungen surfte die Parteineugründung der Grünen – sie wollten nicht mehr linke Sekte sein, sondern dazugehören. Anfangs mussten sie gegen Ausgrenzung ankämpfen, aber das gab sich dann schnell. Der Kapitalismus ist intelligent in der Disziplin des Inkorporierens. Bürgerliche Weicheier eben – das wusste ich bevor ich eintrat, während ich eintrat – und heute ist es recht allumfassend bewiesen. Die einstmals extremistischsten “Linksradikalen” bezeichnen sich heute als “liberal” und “modern”.

Konvertiten sind immer die Schlimmsten.

Über Martin Böttger:

Avatar-FotoMartin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger

2 Kommentare

  1. Avatar-Foto
    r-hold

    @martin.boettger hat mich auch etwas ratlos zurück gelassen

  2. Avatar-Foto
    Gilbert Kolonko

    Danke, eben beim Kochen gehört und bevor die Gäste eintreffen:
    Eine der vielen zukünftigen Hauptaufgaben ist es, mehr und mehr Menschen in Demokratien klar zu machen, dass dies nur funktionieren kann, wenn jeder sich zumindest ein wenig beteiligt.
    Das Beispiel mit dem eigentlich angenommenen Volksentscheid “Deutsche Wohnen enteignen” war doch im Beitrag passend: Wenn so ein enormes ziviles Engagement und das Wahlergebnis von der Politik ignoriert werden, führt das zu großen Verdruss sich für Demokratie einzusetzen.
    Wenn Demokraten nur noch auf Gerichte hoffen können, ist eh ein Tiefpunkt in Sachen Demokratie erreicht.
    Trotzdem allen Lesern einen entspannten Sonntag: Die Zeit des Märtyrertums sollte schon lange vorbei sein. Alleine retten niemand die Welt, außer er will Diktator spielen, oder Elon Musk und Co.
    P.S Meine jungen, engagierten Gartennachbarinnen schneiden gerade auch entspannt die Hecke. So soll es sein.

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