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Mediathekperlen: The Bra

Sie wissen, dass ich zu den Bekloppten gehöre, deren Samstag aus den Fugen gerät, wenn kein Bundesligafussball ist. Diese “Länderspielpausen” sind eine Pest. Länderspiele will niemand mehr sehen, Einschaltquoten, schlechter als schlechteste Tatorte. Gegner wie Liechtenstein oder – immerhin – Armenien. Wers mag …
Also werde ich aus dem Mittagschlaf wach, und statt Sportschau ist Magdeburg gegen Kaiserslautern, Not gegen Elend in der Dritten Liga. Und dann fand ich beim Zappen dieses Juwel. Mediathek bis Ende November. Hier gibt die ARD weitere Informationen zum Film.
Regisseur und Produzent Veit Helmer hat berufsbiografisch offensichtlich eine besonderes Interesse für die vom Kapitalismus eingemeindeten europäischen Ostgebiete entwickelt, gibt dem morbiden Charme des Verfalls eine schöne menschliche Färbung zurück.
Von Baku und seiner Umgebung kenne ich nicht viele Bilder. Ich setzte sie mir aus Erzählungen eines ehemaligen WG-Genossen zusammen, der dort studiert hat, zur Gorbatschow-Zeit. Das Medienbild von Baku ist das einer Glitzermetropole des Diktators Əliyev, Erbprinz eines sadistischen Vaters, ein Bild, das sich hierzulande anlässlich eines dubiosen Schlagerwettbewerbes festgesetzt hat.
Hier gibt es ein völlig anderes Baku. Von gestern? Oder eher von unten? The Bra verzichtet auf vordergründige Systemkritik, spielt schon in seiner Entstehung die Stärken der Multikultur aus. Ein erstaunlicher Glücksgriff des Zwergensenders Saarländischer Rundfunk, der sich mit einem in Berlin ansässigen Produzenten zusammentat. Der schöne Film zeigt uns verzärtelten Sofakartoffeln ganz beiläufig und ohne gesprochenen Text (probieren Sie mal Talkshows mit abgeschaltetem Ton!), was der Kern des Menschseins ist, bzw. sein könnte. Wenn wir es noch können. Danke für die Lektion.

3 Comments

  1. Annette

    Der Film fängt ja schon gut an. Und so schön gemütlich und langsam

  2. Klaus Böttger

    Sehr schön! Gehört das nicht auch unter “Wundersame Bahn” verlinkt? ;-)

    • Martin Böttger

      Jaja, jetzt wo D’es sachst …. is recht. Hübscher Eisenbahnfilm, zweifellos.

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