Der ökologische Irrtum des Hauptstadtbeschlusses von 1991
Mit “zuende” ist nicht der deutsche Konservatismus gemeint, nicht die weissen Männer, nicht die CDU oder ihr Vorbild Kurz. Sondern die Stadt. Sie fällt trocken. Eine Stadt ohne Trinkwasser funktioniert nicht. Schauen Sie sich ein paar alte Western an, in denen der Wüstenwind Dornenbüsche durch leerstehende, vergammelnde Ortschaften bläst. Dann haben Sie eine Vorstellung, was Berlin bevorsteht.
Wenn es nur Brandenburg wäre, dann ginge es ja (Sachsen-Anhalt, wo die ICEs immer ohne Halt durchrasen, ist ähnlich betroffen). Da wohnt ja keine*r. Der Wasserbedarf hält sich in Grenzen. Ausser für die auch dort industrialisierte Land- und Forstwirtschaft. Für die geht es ebenso zuende wie für Berlin. Das Ende der Braunkohletagebaue – wird es auch das Ende der Hauptstadt einläuten? Die Berliner Zeitung/Christian Schwager wählte den Rentner Eckhart Scheffler als Zeugen. Vor der Rente arbeitete er (bis 2008) für die Umwelt-Senatsverwaltung. Ähnlich wie ich macht er als Rentner das weiter, was er kann und was ihm wichtig ist. Wir alten Männer haben den Vorteil, dass wir viel gelassener über die Übel reden können, die wir kommen sehen. Weil wir viele davon – hoffen – nicht mehr zu erleben.
Wenn Sie nun glauben, dass das klassischer depressiver Alterspessimismus ist, habe ich noch zwei Hinweise für Sie. Zur kontinuierlichen Beobachtung des Problems eignet sich der “Dürre-Monitor” des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung. Beachten Sie die Deutschlandkarte links mit den Werten für 1,80 m Bodentiefe. Dieses Jahr haben wir viel “Glück” gehabt, auch wenn das nach den Starkregenkatastrophen dieses Sommers im Rheinland sarkastisch klingt. Die Ostgebiete rund um Berlin hatten dieses Glück nicht. Was soll erst werden, wenn weitere Dürresommer kommen?
Auch das ist weitgehend bekannt, wenn mann die Augen davor nicht verschliessen will. In Kalifornien war die Bewirtschaftung knapper werdenden Wassers dieses Jahr schon zu besichtigen. Der US-Staat ist an Bevölkerung doppelt so gross wie NRW (von Berlin ganz zu schweigen). Dort wissen die Menschen jetzt, wie sich ihr Alltag in der Klimakrise verschlechtert. Nicht Klimaschutz ist teuer, sondern der Verzicht auf ihn.