Nimmt sie vorweg, was den kapitalistischen Demokratien droht?
In der Paywall der FAZ berichtet Michael Horeni über ein “Non-Paper” der sog. “Super-League”. Hinter Letzterer stehen die Grossvereine Real Madrid (ACS/Hochtief-Konzern), FC Barcelona (Katalonien mit Special Relationship nach Qatar) und Juventus Turin (Fiat/Agnelli) – sowie als Kapitalsammler die New Yorker Grossbank JP Morgan. Ohne Paywall: Sportschau-Bericht. Was sie als Kritik an der “schweizerischen Vereinigung” Uefa haben aufschreiben lassen, könnte in Teilen von radikalen Ultras formuliert worden sein. Oder – gemässigt – von Realo Jürgen Klopp.
Die Uefa und die britische Premier League haben kürzlich nahezu unbemerkt einen Medienkrieg schlichten lassen. Saudiarabische TV-Sender hatten das Fussballprogramm eines qatarischen TV-Senders, der brav und sehr teuer für TV-Rechte aus England (und der Uefa Champions League) gezahlt hatte, geklaut (“Raubkopierer sind Verbrecher“) und im arabischen Raum weiterverbreitet. Ergebnis der Schlichtung war, dass die Verbrecherfamilie Saud endlich, ebenso wie die qatarische Herrscherfamilie (Paris Saint Germain) und die Abu-Dhabi-Herrscherfamilie (Manchester City), mit Newcastle United einen Erstligisten in ihr Entertainment-Portfolio aufnehmen und finanziell unbegrenzt aufpumpen darf.
Derweil hausiert der rastlose Fifa-Boss Infantino bei allen Despotenregimes dieser Welt, um das viele viele Kapital einzusammeln, das nach extraprofitablen Anlagemöglichkeiten sucht, und via Imagetransfer die Herrschaft seiner Besitzerfamilien sichern soll. Infantinos Versprechen: nur im Fussballentertainment lassen sich legale Profite realisieren, die sonst nur mit Kriminalität (Drogen- / Menschen- / Waffenhandel / Kriege) zu erzielen sind.
Dieses Versprechen wird nun brüchig. Im reichsten und mächtigsten EU-Land ist es zu beobachten: Deutschland. Seine Fussballorganisation ist marode, amateurhaft degeneriert von einer Sozialdemokraten-Generation, die schon für ausgestorben gehalten wurde. Die Korruptionsbeträge, über die dort verhandelt und intrigiert wird, können von den herrschenden Milliardärsclans dieser Welt nicht mehr ernstgenommen werden – eine Dokumentation der Tatsache, dass Deutschland im globalen ökonomischen Konkurrenzkampf kaum noch eine “Hausnummer” ist. Eine eigene von der Welt und der Gesellschaft abgewandte Blase.
Die Profis in der DFL grämen sich zurecht über dieses Niveau. Denn auch bei ihnen geht es abwärts. Ihr Geschäftsführer Seifert ist auf der (Job-)Flucht. Bei den Fans sind sie verhasst. Trotz Corona-Lockerungen will keine*r mehr gucken. Sie kriegen die Stadien nicht voll. In der Glotze guckt auch kein*r mehr zu: ARD-Sportschau unter 4 Mio., ZDF-Sportstudio (weit) unter 2 Mio., Länderspiele mit halb so vielen Zuschauer*innen wie ARD-Tatorte.
Die Feudalfamilien und Milliardärsclans brauchen für ihre Geschäfte kein Volk. Das stört nur und macht Probleme. Ihnen gehts darum, wer wo auf der Forbes-Liste steht, wer ins Weltall reist, über die geilsten Drohnen und Raketen verfügt, die meisten und schönsten Frauen besitzt – wer den Längsten hat. Real existierender Kapitalismus.
Fussball müssen wir selber spielen.