Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Schlagwort: Premier League

Höllenfahrt des Profifussballs

Nimmt sie vorweg, was den kapitalistischen Demokratien droht?
In der Paywall der FAZ berichtet Michael Horeni über ein “Non-Paper” der sog. “Super-League”. Hinter Letzterer stehen die Grossvereine Real Madrid (ACS/Hochtief-Konzern), FC Barcelona (Katalonien mit Special Relationship nach Qatar) und Juventus Turin (Fiat/Agnelli) – sowie als Kapitalsammler die New Yorker Grossbank JP Morgan. Ohne Paywall: Sportschau-Bericht. Was sie als Kritik an der “schweizerischen Vereinigung” Uefa haben aufschreiben lassen, könnte in Teilen von radikalen Ultras formuliert worden sein. Oder – gemässigt – von Realo Jürgen Klopp. Weiterlesen

Wankende Riesen

Das dicke Ende kommt noch. Die Wirtschaftskrise, die auf die Coronakrise folgt, wird gewaltig sein. Erste Zeichen sind schon zu erkennen, während das Virus noch gar nicht weg ist. Die kleinen Zusammenbrüche sind überall sichtbar, aber werden von der breiten Öffentlichkeit nicht wahrgenommen, weil sie – aus volkserzieherischen Motiven? – (noch) nicht breitgetreten werden. Das Eiern der Ministerpräsident*inn*enkonferenz mit der Bundeskanzlerin, und die hier und hier spürbare Erregung des rechtschaffen-ehrlichen Bodo Ramelow (Die Linke), verraten, dass die schon eine innere Ahnung von dem haben, was kommen wird, aber sich nicht trauen, und noch keine Idee davon haben, wie sie darüber sprechen sollen. Weiterlesen

Arsene Wenger

Es gab einen FC Arsenal vor Arsene Wenger. Das hat Nick Hornby in seinem epochemachenden Roman “Fever Pitch“, der später auch sehr ordentlich verfilmt wurde, beschrieben. Wenger kam zur Gründung der Kommerzmaschine Premier League und die Frage von Martin Krauss/taz, ob das als Ära zu bezeichnen ist, ist aus einem einfachen Grund mit Ja zu beantworten: Wenger hat England den “englischen Fußball” ausgetrieben.
Er war wahrscheinlich nicht der Erfinder, aber der Durschsetzer in der Alltagspraxis, eines Fußballs, der bis heute stilprägend für alle Weltklasseformate ist: Weiterlesen

Fußballmacht und Medienherrschaft

Dass im Fußball das Sportliche nur noch eine Nebenrolle in der Dramaturgie spielt, ist nichts Neues mehr. Kotzt aber viele Fans verständlicherweise immer mehr an. An einzelnen Orten spitzt sich das gelegentlich zu. Und Fans zeigen den Buzzynessmen des Fußballs schon mal, was ihr Geschäftsmodell ohne Fans noch wert ist. Der BVB weiss jetzt Bescheid, in Hannover dagegen sind die Hörschäden bei den Hörgeräteherstellern und ihren Freunden so gross, dass sie jeden Knall überhören zu können glauben. Nette Scharmützel.

Woanders auf der Welt geht es um wirklich grosse Räder. Rupert Murdoch, der reaktionäre Medienzar mit Drang zur Weltherrschaft, geht auf das Ende seines Lebens zu, und versucht sein Erbe zu regeln. Selbst schon ein Ungetüm, kommt nun der grösste Mediendrache der USA Comcast bei der Londoner Börse um die Ecke (hier Handelsblatt, hier FAZ), und will ihm seine Fußballbeute Sky wegfressen. Weiterlesen

Murdoch – aus seiner Rippe ist Trump

Es gab mal zwei Verleger, die in den 80ern um den britischen Zeitungsmarkt kämpften: der Australier Rupert Murdoch (“The Sun”) und Robert Maxwell (“Daily Mirror”). Maxwell kam auf nicht wirklich aufgeklärte Weise ums Leben. Der konservative Autor Jeffrey Archer verfasste über diesen Kampf einen Schlüsselroman unter dem Titel “Das Imperium” (Originaltitel: “The Fourth Estate”), flott geschrieben und auch heute noch lesenswert.

Viel ist seitdem passiert. Murdoch suchte sich die britischen Premierminister aus, kaufte den britischen Fußball (Sky/Premier League) und eroberte auch den US-Medienmarkt (Fox) und den deutschen Fußball (Sky/DFL). Doch an seinem Lebensabend Weiterlesen

China

Birgit Schönau ist eine Italien-Korrespondentin, von der ich mir wünschen würde, dass mehr Politikredaktionen als nur das Studienräteblatt Die Zeit sie mit Schreibaufträgen eindecken. Weil sie schon so lange dort lebt, sich als Deutsche in Italien gut integriert hat, gelingen ihr die am wenigsten oberflächlichen Reportagen und Analysen. Seit dem Tod von Werner Raith ist sie die beste deutsche Korrespondentin im südlichsten Stadtteil von Köln. Aktuell gelingt ihr mit einer Bestandsaufnahme des italienischen Vereinsfussballs gleichzeitig eine geopolitische ökonomische Analyse, wie das chinesische Businesskapital sich Eingang in mittel- und vielleicht auch langfristig Sonderrenditen versprechende kapitalistische Branchen verschafft. Und wie unideologisch und wenig zimperlich es dabei zugeht. Ökonomisch klug von der chinesischen Seite ist, dass sie sich als Zielgebiet Bereiche mit günstigen Einkaufspreisen ausgesucht hat, nämlich die sportlich seit einiger Zeit heruntergewirtschafteten aber über eine große globale Anhängerschaft verfügenden Mailänder Klubs, und nicht die überhitzte Premier League oder die Bundesliga. In Spanien sind nicht die überteuerten Aushängeschilder Real oder Barca das Ziel, sondern Atletico; in Frankreich ist man am Überraschungsspitzenreiter Nizza beteiligt und dreht den arabischen (PSG) und russischen (Monaco) Investoren von oben eine lange Nase.

Der Trick der chinesischen Okonomie-Strategen ist, dass sie als angebliche “Kommunisten” am wenigsten ideologisch vernagelt sind, Weiterlesen

Guardiola 1:1, Mourinho 0:4, Favre 4:2 auswärts, ungeschlagen Nr. 1

Und hier die guten Fußballnachrichten
Die Trainer haben die größeren Starrollen erkämpft. Ihr Gehälter sind oft höher, für sie werden auch schon Ablösesummen bezahlt, ihre Abfindungen nach Entlassungen bewegen sich in Sphären, die uns fremd sind. Nicht alle halte das aus und durch, siehe die Trainingsleitung der Betriebsmannschaft von Bayer.
Die teuerst bezahlten Stars, auch bei den Trainern, arbeiten in England. Wie bei den Spielern kommen nur noch wenige englische Fußballlehrer als Chefmanager in der Premier League zum Einsatz. Zum Glück können sie alle noch nicht zaubern. Und so gab Guardiolas Mannschaft heute zuhause Punkte gegen Southampton ab. Die Tabellenspitzze in England ist so eng wie selten, drei Mannschaften oben punktgleich, als hätte jemand Regie geführt.
Mourinho kackte mit ManU 0:4 bei seinem Exverein Chelsea ab, mit den Siegern muss man sich nicht freuen, aber Schadenfreude muss erlaubt sein.
Noch mehr mitfreuen können wir uns mit Lucien Favre. Trotz (oder wegen?) “Leistenverletzung” von Mario Balotelli gewann sein OGC Nizza heute 4:2 in Metz, der 5. Ligasieg hintereinander. Selbst wenn die Millardärstruppe PSG heute Abend gegen Marseille gewinnen sollte, bleiben Nizza und Favre auf Platz 1. Gratulation! Eine Würdigung der bisherigen Arbeit Favres, offensichtlich geschrieben vor dem Sieg in Metz, hier in der Jungen Welt.

Nur gute Nachrichten aus der Regionalliga West: Mönchengladbach behält die Spitze nach einem 4:2 bei Alemannia Aachen. Der Bonner SC hatte endlich wieder ein Erfolgserlebnis: 3:1 bei Wiedenbrück (das ist da, wo Bertelsmann sitzt). Sogar RW Essen hat gewonnen, mit 5:1 beim Abstiegskandidaten Siegen, wo sich der BSC kürzlich noch so blamiert hatte. A propos: die Reportage von Christoph Biermann in der aktuellen Ausgabe von 11Freunde über die Lage des Ruhrgebietsfussballs abseits von BVB und SO4 ist großartig, und neben dem Interview mit Galdbach-Kapitän Lars Stindl ein Höhepunkt dieses Heftes (leider nicht online).
Ebenfalls empfehlenswert: Interview von Jürgen Becker mit “Jogi Löw” in den WDR-Mitternachtsspitzen.

Sky für 50 €/Monat oder: der Kampf um die informationelle Weltherrschaft

Heute flatterte mir ein Telekomprospekt ins Haus: Sky 3 Monate umsonst, dann 9 Monate für 25€/Monat, danach 51€/Monat, mit Fußnote Nr. 6 im Kleingedruckten. Der Umbruch dieses Kleingedruckten zieht sich über 10 Seiten. Und ist für mich als Sehbehinderten nicht lesbar. Darum ist es im Kern auch keine Werbung, sondern Altpapier. Ich gehe zum Sky-Gucken in die Kneipe – mein Gastwirt lässt sich von dem Sender aussaugen, ich reiche ihm meine Biertrinkerhand zu seiner Rettung. Wie lange das gutgeht ist ungewiss.
Denn es handelt sich um eine Art Weltkrieg der hier ausgetragen wird. Weiterlesen

Das letzte Fußball-Länderturnier wie wir es kannten?

Gratulation an Portugal (mehr zur aktuellen Lage des Landes hier und hier), das gestern Abend nach dem Ausfall Cristiano Ronaldos als Mannschaft über sich hinauswuchs. Und erneut den Nachweis brachte, dass im heutigen Fußball der kleinen Unterschiede die Mannschaft und ihr Zusammenhalt der eigentlich “Star” ist. Doch der Fußball, der uns in Frankreich gezeigt wurde, hat keine Zukunft mehr.

Schon bei der WM vor zwei Jahren in Brasilien war erkennbar, dass die Gladiatorenhaftigkeit ein oft gewähltes Stilmittel Weiterlesen

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