Das letzte Fußball-Länderturnier wie wir es kannten?

Von , am Montag, 11. Juli 2016, in Fußball.

Gratulation an Portugal (mehr zur aktuellen Lage des Landes hier und hier), das gestern Abend nach dem Ausfall Cristiano Ronaldos als Mannschaft über sich hinauswuchs. Und erneut den Nachweis brachte, dass im heutigen Fußball der kleinen Unterschiede die Mannschaft und ihr Zusammenhalt der eigentlich “Star” ist. Doch der Fußball, der uns in Frankreich gezeigt wurde, hat keine Zukunft mehr.

Schon bei der WM vor zwei Jahren in Brasilien war erkennbar, dass die Gladiatorenhaftigkeit ein oft gewähltes Stilmittel leistungsstarker Mannschaften war. Das hat sich bei der diesjährigen Copa America bestätigt. Gegen die Finalisten Chile und Argentinien hätte keins der europäischen Teams eine Chance gehabt. Es hätte aber auch keinen Spass gemacht, dabei zuzuschauen. Nationalmannschaften trainieren und spielen zu wenig zusammen. Dabei kommt kein attraktiver Fußball mehr heraus. Im Unterhaltungsbusiness wird dieser Fußball an Konkurrenzfähigkeit verlieren. Und ob die nächsten beiden Weltmeisterschaften 2018 in Russland und 2022 in Qatar überhaupt zustandekommen, muss aus politischer Sicht – Großmächtekonfrontation, Fifa-Korruptionsaffären etc. – bezweifelt werden.

Das ist die Chance für die großen globalen Clubs. Den Leistungsstandard setzen die europäische Champions League und die südamerikanische Copa Libertadores. Sie stehen durch finanziell begründete Monopolisierungstendenzen allerdings auch bereits in Gefahr langweilig zu werden. Immer wieder erreichen die “üblichen Verdächtigen” die letzten Finalrunden. Bemerkenswert immerhin, dass die mit Murdoch-Milliarden zugeschissene englische Premier League im Vietelfinale der besten 8 nur noch mit einem Team vertreten war, das sich auch im Halbfinale geschlagen verabschieden musste.

Die russischen und arabischen Investoren, die im Fußballbusiness ihr Geld waschen, werden in nächster Zeit etwas klammer sein, der tiefe Ölpreis. Nicht klamm sind bisher die chinesischen Investoren, die quasi im Parteiauftrag, aber auch aus schlichtem Geschäftsinteresse im Weltfußball investieren. Bei Atletico Madrid, mit der Rücklage Antoine Griezmann!, und bei den beiden Mailänder Vereinen Milan und Inter sind sie schon eingestiegen. Sie werden entscheidend strategisch mitbestimmen, wohin die Entwicklung geht.

Und wenn erst der alte Murdoch ins Jenseits geht, wird sich auch die Fußballmedienlandschaft global neu sortieren.

Hier noch eine angemessene Würdigung des neuen Europameisters von Christian Eichler (FAZ).

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