Franscheiss-Epidemie erreicht Beuel

Von , am Sonntag, 10. Juli 2016, in Beuel & Umland, Politik.

Um es vorwegzuschicken: hier soll nicht die Produkt- oder Dienstleistungsqualität neuer Franchise-Unternehmen kritisiert werden. Es geht um systemische Machtverhältnisse, die nicht einzelnen Unternehmern in die Schuhe geschoben werden können. Das eigentliche Problem ist der Immobilien-“markt”. In Ballungsräumen wie Bonn und Subzentren wie Beuel bläst sich die Immobilienblase immer weiter auf, lässt Kauf- und Mietpreise explodieren und lockt immer mehr – reichlich vorhandenes – Geld/Kapital an.
So ist es auch in Beuel geschehen mit dem Neubau neben dem Rathaus. Lange Zeit wurde er von seinem Vorbesitzer vernachlässigt, bis er ihn an die Swiss Life veräussern konnte. Die verbindet nichts mit Beuel, auch nicht mit dem Gebäude, ausser: Renditeerwartung.
Es hätte z.B. nahegelegen, dass die Familie Olivotti, glückliche Hausbesitzer der Immobilie, in der sich ihr Lokal befindet, den Pavillon auf dem Rathausvorplatz mit derzeit knapp 120 Außen-Sitzplätzen übernommen hätte. Doch schon beim Vorbesitzer des Gebäudes wurden völlig unwirtschaftliche Mietpreise aufgerufen. Olivottis liessen die Finger davon. Erst hiess es, die Sandwichkette Subway werde dort einziehen. Nun ist es – ausgerechnet – noch eine Eisdiele, allerdings keine inhabergeführte, sondern ein Franchisenehmer eines westfälischen Unternehmens aus Geseke (von wegen “italienisch”) Das ist quasi der schlimmste denkbare Clash der Kulturen: Westfalen dringen ins Rheinland ein, zunächst nur rechtsrheinisch, aber dabei wird es nicht bleiben. ;-)
Mit den weiteren Gastronomie-Räumen in dem – quasi jetzt schweizerischen – Gebäude soll es ähnlich laufen. Die Burgerkette “Hans im Glück” soll dort mit einer weiteren Filiale einziehen.
Für inhabergeführte Unternehmen liegen die Mietlatten einfach zu hoch. Sie überleben im gegenwärtigen Stand des Handels- und Immobilienkapitalismus nur noch, wenn ihnen die Immobilie – noch – selbst gehört, und wenn sie beim Personal auf erfahrene und ausgebildete Familienmitglieder, also mit optimaler Verhandlungsflexibilität, zurückgreifen können. Alle anderen werden von Rewe, Lidl, Aldi, McDonalds, Mediamarkt usw. aus den lukrativen Standorten wegkonkurriert. Ausnahme: eine extrem originelle Idee. Hans-im-Glück z.B. hatte als erster entdeckt, dass zahlungskräftige Schickimickis auch gerne Hamburger essen; nur zu billig dürfen die nicht sein. Dafür reicht aber unternehmerisch keine einzelne schicke Bude mehr, damit muss man gleich die Republik erobern.
Ist ja schön, dass Beuel so attraktiv ist, dass das große Geld immer mehr ein Auge auf uns wirft. Wenn wir uns dem gedankenlos hingeben, werden wir unser Stadtteilzentrum aber irgendwann kaum noch wiedererkennen, weil es dann allen anderen überall im Land so ähnlich sein wird.
Ich bevorzuge als Konsument die Läden, in denen ich die Leute kenne, und die mich. Wenns gut schmeckt und dahinter eine gute Qualität von Produkt und Handwerk steckt, darfs auch mehr kosten. Wenn das kaputtgeht, liegts auch an uns. Besser; hingehen, treubleiben. Und privater Immobilienbesitz muss politisch dringend begrenzt werden.

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