Fussballmacht und Medienherrschaft

Von , am Dienstag, 27. Februar 2018, in Fußball, Medien, Politik.

Dass im Fussball das Sportliche nur noch eine Nebenrolle in der Dramaturgie spielt, ist nichts Neues mehr. Kotzt aber viele Fans verständlicherweise immer mehr an. An einzelnen Orten spitzt sich das gelegentlich zu. Und Fans zeigen den Buzzynessmen des Fussballs schon mal, was ihr Geschäftsmodell ohne Fans noch wert ist. Der BVB weiss jetzt Bescheid, in Hannover dagegen sind die Hörschäden bei den Hörgeräteherstellern und ihren Freunden so gross, dass sie jeden Knall überhören zu können glauben. Nette Scharmützel.

Woanders auf der Welt geht es um wirklich grosse Räder. Rupert Murdoch, der reaktionäre Medienzar mit Drang zur Weltherrschaft, geht auf das Ende seines Lebens zu, und versucht sein Erbe zu regeln. Selbst schon ein Ungetüm, kommt nun der grösste Mediendrache der USA Comcast bei der Londoner Börse um die Ecke (hier Handelsblatt, hier FAZ), und will ihm seine Fussballbeute Sky wegfressen. Für Unkundige: Sky ist – noch – der Sender, der den Löwenanteil der Einnahmen der Bundesliga (DFL) und auch der teuersten der Welt, der Premier League in England bezahlt. Ihm “gehört” der Löwenanteil des Profifussballs.

Jetzt wird Sky nicht nur von Konkurrenten angegriffen (British Telecom, Dazn/Perform Group, Eurosport/Discovery, Telekom, diverse weitere Streamingdienste), sondern Comcast will direkt den ganzen Laden übernehmen. Es grenzte an Realsatire – aber: nichts ist unmöglich! – wenn der grösste Mediendrache der USA in England mit “kartellrechtlichen” Argumenten zum Zuge käme. Seine Anwaltsarmeen wären im Erfolgsfalle lebensgefährdenden Kaputtlachattacken ausgesetzt. Andererseits: so ist die “Logik” des Medienkapitalismus.

Kaputtlachen muss sich darüber jede*r, der/die im deutschen Sozialkundeunterricht Indoktrinationsattacken über eine angeblich “freie Marktwirtschaft” ausgesetzt war. Denn verbunden mit diesen Machtkämpfen der wirklich Mächtigen sind die Geostrategien ihrer dienstleistenden Staaten. Weder China und noch weniger die arabischen Feudaldiktaturen kennen die sozialkundliche Trennung von Politik und Wirtschaft (und Fussball). Bei ihnen ist das alles eins, und gehört einer voluminösen “Herrscherfamilie”. “Unserem” Kapital gefällt das besonders gut: es arbeitet gern für sie und mit ihnen zusammen, wie ein neues Buch von Glenn Jäger: “In den Sand gesetzt. Katar, die FIFA und die Fußball-WM 2022” dokumentiert. (hinter dem Link ein Auszug in der Jungen Welt; hier die Buchvorstellung des Verlages).

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