Das dicke Ende kommt noch. Die Wirtschaftskrise, die auf die Coronakrise folgt, wird gewaltig sein. Erste Zeichen sind schon zu erkennen, wĂ€hrend das Virus noch gar nicht weg ist. Die kleinen ZusammenbrĂŒche sind ĂŒberall sichtbar, aber werden von der breiten Öffentlichkeit nicht wahrgenommen, weil sie – aus volkserzieherischen Motiven? – (noch) nicht breitgetreten werden. Das Eiern der MinisterprĂ€sident*inn*enkonferenz mit der Bundeskanzlerin, und die hier und hier spĂŒrbare Erregung des rechtschaffen-ehrlichen Bodo Ramelow (Die Linke), verraten, dass die schon eine innere Ahnung von dem haben, was kommen wird, aber sich nicht trauen, und noch keine Idee davon haben, wie sie darĂŒber sprechen sollen. Also: Versteckspiel hinter Symbolismen. Da das Volk nicht doof genug ist, sich davon einwickeln zu lassen, wachsen Unbehaglichkeit und Misstrauen.
Die Vorzeichen dessen, was kommen wird, studiere ich erneut im Fussballbizzyness. Unten ist die Pleite so gut wie komplett. Der Amateursport hat keine Einnahmen mehr: keine Zuschauer*innen, keine Feste, kein Zusammenkommen, zuwenig Mittel fĂŒr “Hygienekonzepte”, “Social Distancing” ist das Gegenteil von Sozialisation und Integration. Gerade jetzt kommt die erste Offensive von Opfern sexueller Gewalt dazu. Welche Eltern mögen ihr Kind da noch hinschicken? Doch dieses Elend juckt nur die Betroffenen (sie sind viele!), aber nicht die Medienöffentlichkeit. Die ist hinter anderen durchs Dorf zu jagenden SĂ€uen hinterher. SĂ€ue? Das ist ein zu niedliches Bild. Auch keine Elefanten. Drachen – das trifft es am ehesten.
Ganz oben, beim FC Barcelona, dient die Coronakrise dazu, die Katastrophe aufzuschieben. Messi muss bleiben – bringt dann aber am Ende seines Vertrages im nĂ€chsten Jahr NULL Transfererlös. Gegen den zu einer kriminellen Seilschaft gehörenden VereinsprĂ€sidenten Bartomeu gibt es ein Misstrauensvotum, das die erforderlichen Unterschriften bereits erbracht hat. Die Mitgliederabstimmung, in der eine Zweidrittel-Mehrheit erforderlich wĂ€re, mĂŒsste diesen Monat stattfinden. Doch in Spanien, auch in Katalonien, verschĂ€rft sich der Virus-Notstand derzeit wieder tĂ€glich. Meine These: der PrĂ€sident ist mit Fluchtvorbereitungen ausgelastet.
In Deutschland wankt der DFB. Gut, das ist schon lange so, seit die SommermĂ€rchen-AffĂ€re ruchbar geworden ist. Seine wichtigste Einnahmequelle Nationalmannschaft ist keine Quotenbringerin fĂŒr die zahlenden TV-Anstalten mehr. Fussball ohne Stadionzuschauer*innen ist fĂŒr nichts und niemanden eine verkĂ€ufliche Attraktion. Das wissen auch die Dickschiffe der DFL, in der die Vereine der 1. und 2. Liga vereint Milliarden verteilen. Sie haben sogar noch einen TV-Vertrag bis 2024 ins Trockene gebracht, worauf DFL-Boss Seifert mĂ€chtig stolz ist. Doch nicht nur Zuschauereinnahmen fehlen jetzt. GerĂ€uschlos melden sich einfach keine Spnsor*inn*en (“der letzte Scheiss vom Mörtschendaiss”) mehr. Erster Pleitekandidat ist wie immer S04. Das war schon 1965 so, als ich das erste Mal die Bundesligatabelle las. Und heute immer noch. Wer sich an einen Oligarchen wie Tönnies bindet, hat auch nichts Besseres verdient.
Der Fussballkonzern aus dem sĂŒddeutschen Raum ist da diskreter. Wie immer versucht er mit Nebelkerzen von der Beachtung seiner Probleme abzulenken. Ein unglaubwĂŒrdiger aber schlagzeilentrĂ€chtiger Ausfallschritt gegen die DFB-Spitze soll davon ablenken, dass die GeschĂ€ftsaussichten noch unter dem Keller sind, irgendwo im Kanal. In MĂŒnchen sind die Infektionszahlen so hoch, dass die wichtigen Meetings in den VIP-Logen – Hygienekonzept hin oder her – sich woanders hinverlagern, oder ganz ausfallen. Weder AktionĂ€re noch Sponsoren finden noch einen Bezug zu einem Fussballkonzern. Die Einnahmequelle Champions League liegt als TV-Ereignis im Sterben, wie ihre Veranstalterin Uefa, die keine EM mehr realisieren kann. Das feudalistische arabische Grosskapital beginnt an seinen Fussballinvestitionen zu zweifeln. WĂ€ren Impfstoffe jetzt nicht attraktiver? Was ist, wenn das ÖlgeschĂ€ft zuendegeht? Werden sie noch Gas verkaufen können? MĂŒssen dafĂŒr Kriege fĂŒhrt werden? So viele andere Sorgen …
Im Milliardenparadies Premier League in England wird das Finanzkorsett ebenfalls schon so eng, dass sich die MachtkĂ€mpfe nicht mehr verbergen lassen. Die reichen Vereine sind kurz davor, die Liga zu sprengen. England ist zum reichbleiben zu klein geworden, nach dem Brexit sowieso. Und was ihnen blĂŒht, ist in Frankreich schon zu sehen. Die Liga hat einen reichen Dauermeister (= Langeweile), bisher von Katar durchfinanziert, und einen sich als insolvent erweisenden TV-Partner ausgesucht. Nun fliesst gar nichts mehr. Das wird auch auf anderen grossen MĂ€rkten folgen. Wie lange wird Sky-Mutter Comcast das europĂ€ische Chaos subventionierend durchstehen wollen? Wieviel Luft hat der russisch-amerikanische Dazn-Oligarch Leo Blavatnik?
Die Reichen werden versuchen, ihren Reichtum, ihre Macht und Herrschaft “in Sicherheit” zu bringen, wie sie es immer tun. Ökonomische Ruinen wieder aufbauen ĂŒberlassen sie lieber den Staaten, die dann noch ĂŒbrig sind, und den Doofen, die dort brav Steuern zahlen.