Fachlichkeit beim Informationsverbreiten? Das war einmal

Beuel, Konrad-Adenauerplatz. Die Linie 66, meistgenutzte Stadtbahnlinie der Stadt, fährt nicht mehr bis Vilich (bis Siegburg wg. Bauarbeiten sowieso nicht), sondern endet in Beuel. Warum, ist nicht klar. Kein Medium meldet irgendwas, die SWB auch nicht. Es fährt ein Schienenersatzverkehr mit Gelenkbussen, ich habe ihn selbst gesehen, aber niemand weiss davon.

Auch die Bus- und Bahnfahrer*innen nicht. Denn eine Abstimmung zwischen Ankunft der 66 und Abfahrt der Busse gibt es nicht. Die elektronischen Anzeigetafeln am Adenauerplatz, eine sehr sinnvolle Erfindung, kennen den real existierenden Schienenersatzverkehr ebenfalls nicht. Also versuchen die Fahrgäste die kleineren Busse der Linien 540/640 nach Siegburg und St. Augustin zu entern. Sie durchfahren das beidseitig zugeparkte und durch Schleichverkehre überlastete Combahnviertel – für Gelenkbusse wäre hier alles zuende.

Aber warum minderverdienende Fahrgäste seriös informieren, wenn das sowieso nur Personal und Geld kostet? Das dachte offenbar auch irgendeine Führungskraft im WDR, den ich hier noch unvorsichtig gelobt hatte. Und dann das.

Wer mag das nur verfasst haben? Und wer korrekturgelesen? “Bahnstrecke Köln-Bonn gesperrt” bei einem Unfall am Bahnübergang Weberstrasse. Der liegt doch gar nicht an dieser Strecke. Die korrekte Meldung der DB Regio lautet so:

“Die Strecke ist zwischen Bonn Hbf und Bonn-Mehlem nicht mit allen Zügen befahrbar. Das Ende können wir leider noch nicht abschätzen. Der Grund dafür ist ein Unfall an einem Bahnübergang. Der Streckenabschnitt ist eingleisig befahrbar. In der Folge kommt es zu Verspätungen und Teilausfällen. RB 30: Die Züge aus Richtung Ahrbrück enden und beginnen in Remagen. Die Folge sind Teilausfälle zwischen Remagen und Bonn Hbf. Ein Ersatzverkehr (SEV) mit zwei Bussen der Firma Univers Reisen zwischen Bonn Hbf und Remagen ist eingerichtet. RB 48: Die Zügen aus Richtung Köln Hbf enden und beginnen in Bonn Hbf. Die Folge sind Teilausfälle zwischen Bonn Hbf und Bonn-Mehlem. Zur Zeit liegen für die RE 5 (RRX) und RB 26 keine Konzepte vor, so dass für jede Zugfahrt kurzfristige Einzelmaßnahmen ergriffen werden. Bitte achten Sie vermehrt auf die Informationen vor Ort und prüfen Sie den Zuglauf in der Onlinereiseauskunft.”

Für die Ahnungslosen mit keine Zeit zum Lesen im WDR und alle andern nochmal kurz zusammengefasst: RB48 fährt zwischen Bonn Hbf. und Köln; RE5 und RB 26 nur manchmal, wenn sie keinem ICE oder Güterzug im Weg sind. Denn Güter sind wertvoller als Fahrgäste. Was daran haben die im WDR nicht verstanden?

Ich vergass übrigens oben zu erwähnen: auf der Kennedybrücke Richtung Bonn ging nichts mehr – ausser für die Bahn (62 und 66) in der Mitte. Nicht alles ist schlecht.

Noch besser: die Geheimwaffe fürs Fahrrad

Marcus Hansson/heise: LaneSaber: Radfahrender Maker baut sich LED-Lichtschwert gegen zu enge Überholer – Um sich vor zu eng überholenden Autos zu schützen, hat ein radfahrender US-Maker eine LED-beleuchtete Sicherheitsflagge in Form eines Lichtschwertes gebaut.”

Sehr nützliche Erfindung. Jetzt fehlt noch eine ähnliche Geheimwaffe für Fussgänger*innen gegenüber den Fahrradfahrer*inne*n, die vom Porsche aufs Rad umgestiegen sind, und wie Autor Hansson richtig vermutet, die gesetzlich vorgeschriebenen Abstandswerte von 1,5-2 Meter “weder kennen noch einhalten”. Mein Vorschlag wäre, motorisierte Fahrzeuge, egal mit wieviel Rädern unterm Arsch, von gemischten Rad- und Fusswegen, wie dem Schwarzrheindorfer Deich oder dem Bröltalbahnweg, komplett fernzuhalten. Das Rollatoraufkommen wird in den kommenden Jahren steil ansteigen. Aber das merken die, die es bestimmen müssen, erst, wenn es mal wieder zu spät ist. Wir Fussgänger*innen werden uns bewaffnen müssen.

Über Martin Böttger:

Avatar-FotoMartin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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