Nein nicht der Ex-Bundeskanzler – Sie können sich beruhigen: Borussia Mönchengladbach

Die FAZ fragt, wo ein gewisser Bernd Neuendorf ist. Wer will das wissen? Ich kenn’ keinen. RWE bleibt in der 3. Liga. 15 Spieler sollen gehen. Wie soll so ein Team entstehen? Eine Frage, die meinen Opa interessierte, der 1974 starb, und mir die Fussballmacke vererbte. Aber nicht RWE (darunter leidet Küppi). Auf seinem Schwarz-Weiss-Fernseher sah ich 1965 sonntags in der Regionalliga West Günter Netzer (17 Tore), Jupp Heynckes (24 Tore), Bernd Rupp (25 Tore) und im Tor den Ex-Schalker Manfred Orzessek zaubern. Sie machten mich süchtig. Und ich bereue immer noch nichts.

Seit Roland Virkus bei der mittlerweile 126-jährigen Borussia die Managerherrschaft übernahm, es war 2022, näherte sich das Team zügig seinem dritten Abstieg in die – ohnehhin sportlich spannendere – Zweite Liga. Von Platz 10 (2023) auf 14 (2024) nur einen Punkt vor der Relegation, die zum Glück dieses Jahr VW Wolfsburg zum Verhängnis wurde. Virkus wurde in der laufenden Saison freigestellt, und unter dem Cheftrainer Eugen Polanski gelang erst auf der Zielgeraden ein 12. Platz mit 9 Punkten Vorsprung vor VW.

Das klingt positiver, als es war. Die Fangemeinde betrachtete angemessen kritisch, dass der von Virkus und dem Vorgängertrainer Gerardo Soane zusammengestellte Kader nur begrenzt fussballerisch konkurrenzfähig war. Die Mehrheit der Spiele, auch und gerade der Heimspiele, war nicht ansehbar, ohne gesundheitlich Schaden zu nehmen. Polanski musste die Saison mit einem Team durchstehen, auf dessen Zusammensetzung er keinen Einfluss hatte.

Während sich all die fachfremden Spektakelmedien nun für die Trump-WM heissmachen, und zum Glück meistens sowieso weniger für unsere wahre Borussia interessieren, macht Virkus-Nachfolger Rouven Schröder im Schatten der Schlagzeilen seine Arbeit. Und zwar bevor bei der WM die Preise steigen. Das überrascht positiv. Dabei lässt er sich nicht von Medienschlagzeilen lenken, sondern von Fach- und Personenkenntnis. Klar, dass er nicht in der Premiumklasse der Grosskonzerne in Süddeutschland, Westfalen und Britannien mitspielen kann. Wenn “niemand” seine Neuerwerbungen “kennt”, umso besser. Wissensvorsprung spart einen Haufen Geld und Ärger. Der SC Freiburg kann es doch auch.

Es ist nur fair, dem Trainer die Chance zu geben, eine Saisonvorbereitung mitzubestimmen. Je weniger Medienschlagzeilen, umso besser. Die Wegelagerer sollen sich auf die Wiesen um die Schalke-Arena legen und mit ihrer Karre die Dortmunder Strobelallee auf und ab fahren. Die langen Linien entscheiden die Richtung. Alles unter einem Jahr Kontinuität ist Panik. Die schlechteste aller Berater*innen. Siehe oben RWE.

Finale in Argentinien – und hier guckt wieder keine*r zu

Wenn Sie schon dabei sind, und weil hierzulande mal wieder niemand davon berichtet, ist ja nur das Meisterschaftsfinale im Land des amtierenden Welteisters, beachten Sie auch die hübsch geschriebene Reportage vom diagonal anderen Ende der Weltkarte, die nur wenige Tage paywallfrei sein wird:

André Dahlmeyer/Junge Welt: Latin Lovers: Piraten – Einen wunderschönen guten Morgen! Wer jemals das südliche Patagonien, die dortige Atlantikküste und die Insel Feuerland bereist hat, dem sollte der Schriftzug »Fuera, Piratas!« (Haut ab, Piraten!) aufgefallen sein, er steht auf Fels­blöcken, an Häuserwänden, so ziemlich überall. Gemeint sind die britischen Kolonialherren auf den Islas Malvinas.”

Danke André, hast Du fein gemacht.

Über Martin Böttger:

Avatar-FotoMartin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger