Die Austrocknung des Rheins und der anderen europäischen Flüsse wie Donau und Po, Seine und Garonne, Rhône und Gironde und vieler anderer werden derzeit auf fahrlässige Weise verniedlicht und heruntergespielt. Anstatt die Folgen des ausufernden Klimawandels im Angesicht des explodierenden CO² deutlich zu benennen und die Folgen und deshalb die dringend notwendigen Gegenmaßnahmen zu thematisieren, verlegen sich Bundesregierung, Unternehmen und Medien auf Ablenkungsmanöver und Nebenkriegsschauplätze, um ihre skandalöse Untätigkeit zu vertuschen und das komplette Desaster ihrer verfehlten CO² Politik zu leugnen.
Dabei verfällt eine Wirtschaft im Energie- Chemie- und Stahlbereich, die seit Jahrzehnten weiss, dass die CO² Zertifikate gegen 2030 nicht mehr verschenkt, sondern dass die aus Klimagründen endlich etwas kosten, in unschuldiges Jammern über Klimaschutzzertifikate, von denen sie seit Jahren wusste, dass sie kommen und fordert aktuell Ausnahmen und Verschonungen von notwendigen Maßnahmen. Die Dreistigkeit ist besonders deshalb so perfide, weil sie den fortschrittlichen Teilen der Wirtschaft wie der Stahlindustrie im Saarland, die Milliarden in klimaneutralen Stahl investiert hat, nun in den Rücken fallen und von der lobbyhörigen Bundesregierung und EU Privilegien fordern, die klimaneutralen Stahl unrentabel verteuern würde. Wirtschaftsministerin Reiche hat schon signalisiert, dass sie dem nachgeben würde. Eine Bundesregierung wie die jetzige ist wirklich für die Klimakrise das gefährlichste, was den Land passieren kann. Leider wirken zu viele “Zeitgeister” mit, zu ermöglichen, dass sie damit durchkommt.
Aufhebung der Sonntagsfahrverbote für LKW ein Witz
NRW, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg sind bei der Aufhebung der Sonntagsfahrverbote für LKW vorgeprescht, derzeit haben acht Bundesländer das LKW-Fahrverbot an Sonntagen aufgehoben. Angesichts der Schwere der Transportkrise ist das eher ein Witz. Das beginnt schon bei den Kosten des Transports. Nach Zahlen der Bundesanstalt für Gewässerkunde bfg liegen die durchschnittlichen Transportkosten je Tonnenkilometer bei LKW bei 2 ct. der Einsenbahn bei 1,13 ct. und beim Schiff bei 0,28 ct. Die betriebswirtschaftlichen Transportkosten von Rotterdam nach Basel liegen bei ca. 490 €/tonne beim LKW, ca. 280 €/tonne Schiene und ca. 170 €/tonne Binnenschiff. Beim Contaimertransport ist das Binnenschiff gegenüber der Bahn und dem LKW unschlagbar vorn – natürlich abhängig von der Region. Entscheidend aber sind die realen logistischen Faktoren, die einer ernsthaften Verlagerung im Wege stehen: Schon in den 60er Jahren lernten wir Schüler:innen, dass die Ladekapazität eines Binnenschiffs der von 40 Güterwaggons oder 120 LKW entspreche. Heute sind es 150 LKW.
Heutige Dimensionen viel extremer
So ist die Deutsche Bahn AG mit ihrem rollenden Material nicht in der Lage, nennenswerte Steigerungen ohrer Transportkaazitäten zu verkreften. Denn die Zahl der Container auf einem modernen Containerschiff übersteigt die Zahl der kurzfristig mobilisier- und einsetzbaren Waggons auf der Schiene erheblich. Ganz zuschweigen von einer Verlagerung der Kapazitäten auf die Straße: Den Speditionen in der Bundesrepublik fehlen derzeit mehr als 10.000 Fahrerinnen und Fahrer im laufenden Betrieb: Von einem realisierbaren Zuwachs, geschweige denn einer nennenswerten Verlagerung von Transportkapazitäten vom Wasser auf Schiene und gar Straße können Politik und Wirtschaft daher nur träumen. Zumal die marode Schienen- und Straßeninfrastruktur der Sauerland-Linie, in Köln, Bonn, Ruhrgebiet, zwischen Karlsruhe und Stuttgart, auf der A 61 in der Südpfalz, um Berlin und München und in allen anderen Ballungsräumen sehr schnell die Grenzen solcher Träume aufzeigen wird.
Politik mogelt sich um die realen Probleme herum
Die Aufhebung des Sonntagsfahrverbots ist nicht nur logistische Augenwischerei: Sie wird die ohnehin prekäre Situation vieler LKW-Fahrer aus Bulgarien, Polen, Rumänien, Belarus, der Ukraine oder Tschechien, Spanien oder Griechenland , die zum Teil mit völlig unterbezahlten Löhnen ihre Kilometer abreissen, ohne sozial abgesichert zu sein und fair bezahlt zu werden, noch verschlimmern. Sie werden fürs gleiche Salär nicht mehr 6/24, sondern 7/24 pro Woche arbeiten müssen. Dass der Grüne Verkehrsminister Krischer (NRW) an vorderster Front angeblicher “Vernunft” dabei war. ist das Gegenteil von Nachhaltigkeit, mag aber noch als Notwehr gegen die Untätigkeit der anderen im Klimawandel durchgehen. Viel gravierender wiegt, dass die Bundesregierung, allen voran Lobbyistin Katharina Reiche, sich der Einsicht verweigert, dass ihre CO² Beschwichtigungspolitik gescheitert ist.
Nachhaltige Vertiefung der Fahrrinnen Illusion
Auch das weitere Ausbaggern der Flüsse, insbesondere des Rhein mag an bestimmten Stellen vielleicht Erleichterung bringen, nur: Davon wird die Wassermenge, die Schiffe tragen kann, prinzipiell nicht mehr. Den Rhein von Rotterdam bis Basel mit Staustufen zu versehen, würde die Entwicklung zur Renaturierung und Herstellung von ökologischen Überflutungsflächen, die die letzten 25 Jahre verfolgt wurde, grundsätzlich konterkarieren. Sie wäre auch keine nachhaltige Lösung, denn das Problem – und davon ist derzeit überhaupt keine Rede – entsteht bereits am Ursprung vieler Europäischer Flüsse: In den Alpen. Das seit Jahren beobachtbare Abschmelzen der Gletscher ist eine der wesentlichen Urachen, dass Rhein, Po und Rhône jetzt so wenig Wasser führen. Weil die Zuflüsse früher jahreszeitbedingter Schneeschmelze praktisch nicht mehr vorhanden sind und Gletscher immer kleiner werden, fehlt der Wassernachschub aus den Quellgebieten. Die ganze aktuelle Diskussion mutet an, wie eine nostalgische Nabelschau der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts: Kurieren an Symptomen und Ausblenden der massiven Gefahr: Des Klimawandels. Und Nichthandeln, um die Profitinteressen der Wirtschaft weiter zu erfüllen, während Oligarchen in USA, Russland, Nahost und Europa sich weiter die Taschen voll machen und die Demokratien systematisch zerrütten.

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