Der NDR und der Bauernverband werden keine Freunde mehr
Ute Jurkovics und Lars Kaufmann haben dem Deutschen Bauernverband in der NDR-Reihe 45min (Redaktion: Kathrin Becker) einen technischen KO verpasst. Und zwar, weil sie ohne Missionsauftrag fair, ausgewogen und faktensicher, cool operierten. Zwei führende Bauernverbandsvertreter kamen ausführlich zu Wort. Die “Gegenseite” markierten keine Grünen Latzhosentypen, sondern moderne, pragmatische Bäuerinnen und Bauern, die schlicht erkannt haben, dass der Verband ihre Interessen nicht vertritt.
Mich erinnerte das Bild dieser Organisation, das der sehenswerte Film vermittelte, an die anderen konservativen deutschen Organisationen, die die Welt nicht mehr verstehen: die CDU/CSU und die Katholische Kirche. Historisch fühlte ich mich ausserdem an die alte IG Bergbau erinnert. Sie fuhr einen Kurs radikaler konfliktfreier Sozialpartnerschaft, und sicherte sich die Treue ihrer Mitglieder über gute Lohnabschlüsse und Sozialleistungen. Arbeitskämpfe waren dabei nicht vorgesehen. Wer das forderte, wurde als Kommunist*in identifiziert und rausgeschmissen.
Diese IG Bergbau gibt es nicht mehr, zur heutigen Rechtsnachfolgerin gehts hier entlang. Der Bauernverband erinnert an diese ideologisch feste, antikommunistische Systemstütze der 60er und 70er Jahre. Er hat nicht bemerkt, dass sich die Welt und insbesondere ihre Ökologie einige Jahrzehnte weitergedreht hat. Von der Ernährungsindustrie und Raiffeisenbanken ist er gekapert; die Einzelhandelskonzerne spielen mit ihm, wie die Katze mit den Mäusen. Unfassbar: sogar gegen Gesetze, bodenspekulierende Investmentfonds aus der Landwirtschaft fernzuhalten, hat sich diese Interessenorganisation ausgesprochen. Wessen Interessen mögen das gewesen sein?
2009 wurde die CMA liquidiert. Ich erinnere mich noch, als wenn es gestern gewesen wäre, wie Vincent Klink meinem Freund Andrea Arcais und mir am Vorabend seines Grusswortes an den Grünen Bundesparteitag im März 2001 in Stuttgart verschwörerisch ankündigte, er wolle diese CMA als “kriminelle Vereinigung” bezeichnen. Das tat er, in der Berichterstattung der FAZ wurde es erwähnt. Und also: Prozess am Hals. Nicht nur den hat Vincent gewonnen. Sondern auch diese Organisation insgesamt besiegt (Im Bündnis mit Bundesministerin Künast, der Slowfood-Bewegung und vielen, vielen anderen). Nichts davon hat der Deutsche Bauernverband verstanden. Und dass die bäuerlichen Betriebe immer weniger werden, das hält er für “normale Marktwirtschaft”. Werden sie jemals aufwachen?
Kommende Dürren
Dieser Funktionärstyp wird sich auch von Jens Niehuss’ heute auf Arte laufenden Film “Dürre in Europa” nicht weiter verrückt machen lassen. Bis es so weit ist, sind die Herren tot. Glauben sie ….
Fischerei fällt trocken
Nicht besser geht es der Fischerei. In Deutschland spielt sie kaum noch eine politische Rolle. Nur noch gut 1.000 Menschen arbeiten in dieser Branche. Die anderen stellen “Fischer” für den Tourismus dar. Was auf den Teller kommt, ist importiert. Doch auch das wird knapp. Fischplantagen sind keine Lösung, sondern Teil des Problems. Susanne Aigner/telepolis berichtet über aktuelle Studien.
Und nun passen Sie in den nächsten Wochen gut auf, welche Rolle diese Erkenntnisse in den Koalitionsverhandlungen spielen. Ich ahne es.