Sprache ist ein zentrales Mittel politischer Auseinandersetzungen und Kämpfe. Eine zentrale Waffe in diesen Kämpfen ist der Begriff “Verschwörungstheorie” geworden, spätestens seit 9/11 im Jahre 2001. Der Begriff schillert. Denn Verschwörungen gab und gibt es wirklich, seit es Menschen gibt. Doch für die Öffentlichkeit gibt es sie erst dann, wenn eine Theorie bewiesen wird. Oder geglaubt, von einer Mehrheit. Oder einer Mehrheit derer, die die Öffentlichkeit beherrschen. Sie merken schon: je länger jemand darüber nachdenkt, umso komplizierter wird es.
Darum finde ich es verdienstvoll, dass sich die Autoren Andreas Anton und Alan Schink an dem Thema versucht haben: “Der Kampf um die Wahrheit”. Und die telepolis-Kolleg*inn*en präsentieren das Produkt ausführlich: mit einem Interview von Harald Neuber mit den Autoren, und mit einer langen ausführlichen Leseprobe 1. Teil, 2. Teil, 3. Teil. Angenehm der Gestus der Autoren: “cool down”. Es gibt kein Gut und Böse, es ist komplizierter. Nur die Ruhe, erst mal nachdenken und abwägen. Danke.
Krankenhausbewegung Berlin
Dienstleistungen sind harte Arbeit, aber schlecht bezahlt. Junge Menschen, die noch alle Sinne beisammen haben, suchen sich attraktivere Jobs. Pflege? Einzelhandel? Logistik? Warum ich? Unzumutbare Arbeitsbedingungen, um behandelt zu werden wie Diener*innen oder Sklav*inn*en? Habe ich nichts besseres verdient? Doch hast du.
Die Pflegekatastrophe war schon vor der Coronakrise da, hat aber kaum jemand interessiert, ausser die Betroffenen: zu Pflegende und ihre Angehörigen. Und die, die sie pflegten. Nur langsam ändert sich das. Voraussetzung für diese Änderung: gewerkschaftliche Organisation und Kämpfe. An den Berliner Krankenhäusern Charité sowie denen der landeseigenen Vivantes-Gesellschaft ist das soeben gelungen. Nina Scholz/Junge Welt zieht eine sehr wichtige politische Bilanz, die zum Weiterkämpfen ermutigt. Und es geht weiter. Wenn diese Links in einem Paywall-Archiv verschwinden, beschweren Sie sich bitte direkt bei der Jungen Welt (“linke Medienstrategie”).
PS Mediathekperle
Sagte ich schon, dass Sie “Call My Agent” glotzen sollen? Ja, ich schrieb es schon. Tut mir leid, ich finde die ganze Produktion fabulös, grossartig, lebensnah, und dabei so selbstkritisch und -ironisch, wie ich es (leider) selten zu sehen bekomme. Wenn Sie mal einen Spass zwischendurch suchen, der aber nicht flach und epigonenhaft sein soll, wenn Sie mal gutes TV sehen wollen, dann bitte hier entlang (die ersten beiden Folgen mit der grossartigen Cécile de France, bzw. Line Renaud & Francoise Fabian nur noch bis Monatsende verfügbar). Frankreich von seiner widersprüchlichen, und in dieser Ehrlichkeit besonders liebenswerten, schönsten Seite. Alle Ingredienzen der heutigen, wichtigen #metoo-Debatte bereits inklusive.