Und: Bonner*innen sollen DFB und Böll-Stiftung retten
Die fabelhafte Isolde Charim nimmt sich beispielhaft den Schnösel Sebastian Kurz vor. Doch was sie schreibt, geht weit über den Wicht und ihrer beider Zwergstaat hinaus. Charim entschlüsselt das Inszenierungsprinzip gegenwärtiger liberaler und neoliberaler Politik in einer kurzen Kolumne, die Sie in zwei Minuten gelesen haben. Ich versichere Ihnen: so ist es!
DFB
Jan Christian-Müller/FR setzt dem Bonner Bernd Neuendorf vorauseilend einen Lorbeerkranz auf. Ob das gutgeht? Ich glaube nicht. Der Mann vom Fussballverband Mittelrhein soll das sinkende Schiff Deutscher Fussball-Bund (DFB) retten. Das kann kaum gelingen. Zumal beide Herren, Müller und Neuendorf scheinsouverän ignorieren, was die Bundestrainerin zu dem Problem zu sagen hat. Während sie die Welt von heute kennt und versteht, versuchen es alte, weisse, deutsche, sozialdemokratische Männer, für die selbst ihre Partei kaum mehr öffentliche Verwendung hat, mit Augen zu und durch. Das kann nicht durchgehen. Die DFL wird sie mal wieder über den Tisch ziehen – mit einer Frau an der Spitze.
Böll-Stiftung
Mit dem Bundestagswahlergebnis wird die Böll-Stiftung reicher. Ob sie wichtiger wird, bleibt abzuwarten. Ihre langjährige Chefin Barbara Unmüssig (seit 2002) hat sogar den Ex-Maoisten Fücks (bis 2017) an der Spitze ausgesessen, und ihre zeitweilige Mitvorsitzende Ueberschär gibt schon wieder auf, worüber nicht wenige recht froh sein sollen. Ulrich Schulte/taz meldet die neue Spitze und konzentriert sich klassisch auf die männliche Hälfte. Jan Philipp Albrecht ist für mich keine Überraschung – er war es eher als Landeslandwirtschaftsminister in einem Bundesland mit weniger Einwohner*inne*n als Berlin. Dass ein Europaparlamentarier, der als IT-Fachmann und Datenschützer zum Filmstar avancierte, und zwar zurecht, in dem Job nicht glücklich wurde, überrascht mich nicht. Ich hoffe, er macht seine Fachthemen in der Stiftung stark. Ob er auch ein guter Boss ist, eine notwendige Bedingung, weiss ich nicht.
Das weiss ich auch bei seiner Vorstandspartnerin Imme Scholz nicht, noch eine Bonnerin vom Deutschen Institut für internationale Entwicklung. Sie soll augenscheinlich die Fachlichkeit von Barbara Unmüssig adäquat ersetzen. Das ist eine sehr hoch liegende Latte. Dieser Aufsichtsrat hat die beiden ausgesucht.
Beide können viel Glück gebrauchen im Berliner Haifischbecken.