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Beuel wird Hauptbahnhof

Wundersame Bahn LXXXI: Tempolimitdebatte bei der Bahn
Früher soll es so gewesen sein, dass die Bahn als sie noch Bundesbahn hiess und als bürokratisch und verknöchert galt, Baustellen “im laufenden Betrieb” unterhielt. Das bedeutete keinen zeitraubenden “Schienenersatzverkehr”, sondern allenfalls Langsamfahrstellen, um die Bauarbeiter nicht plattzufahren. Heute sind die Bauarbeiter bisweilen IT-Fachleute, die während der Arbeit in einen Sessel pupsen. Viel teurer, und auch viel wirkungsvoller, was die Stilllegung von Bahnbetrieb betrifft. Für uns in Beuel hat das viele Vorteile.
Es bedeutet z.B. zum Beginn des neuen Jahres, dass wir wieder an den Fernverkehr angeschlossen werden. Für die Errichtung des “Elektronischen Stellwerks Köln Hauptbahnhof” wird linksrheinisch das meiste lahmgelegt, und der Bahnhof Beuel wieder zum Hauptbahnhof. Zwar fährt schon längst nichts mehr nach Barcelona, Athen oder Italien, aber immerhin München und Hamburg. Berlin hingegen ist während der Stellwerkarbeiten nur von Köln aus zu erreichen. Das ist noch am leichtesten zu verschmerzen – wer will da schon freiwillig hin?
Schade nur, dass im Bahnhof Beuel mit seiner einsturzgefährdeten Eingangshalle nichts mehr ist, ausser dem tapferen vom Verkehrsverbund bezahlten Mann am Fahrkartenschalter. Alles zu und am Vergammeln – das ist die Immobilienstrategie der Bahn: wenn ihr was funktionierendes haben wollt, dessen Anblick die Augen nicht schmerzt, dann kauft es uns doch ab. So verschwinden ganz beiläufig auch viele Bahninfrastrukturen auf Nimmerwiedersehen.
Tempolimit für die Bahn?
Dass durch die Bauarbeiten der Lärm abnimmt, ist nicht zu erhoffen. Der Güterzugverkehr wird gewiss nicht verringert, sondern der gewachsenen Zahl der Fernzüge ordentlich Verspätungen verpassen, “durch Verspätung eines vorausfahrenden Zuges”. Auch eine Art Entschleunigung.
Entschleunigung ist prinzipiell antikapitalistisch. Kapitalismus kann nur durch Wachstum, also in erster Linie ständiger Beschleunigung der Kapitalzirkulation, existieren. Darum halte ich es für ungewiss, ob die prinzipiell vernünftigen Ansätze für eine Tempoverringerung im Bahnverkehr erfolgsträchtig sind. Aktuell dazu:
Hendrik Auhagen/bruchstuecke.info: Die Klimabahn – Chance und Risiko für die Grünen
und
Oliver Bock/FAZ: Bahnlärm im Rheintal : Tempolimit für Güterzüge gefordert.
Während Ex-MdB Auhagen seinen baden-württembergischen Partei”freunden” ins Gewissen schreibt, behandelt FAZ-Autor Bock ein Problem, das Beuel genauso betrifft wie das Mittelrheintal. Der Lärm, der dieses Weltkulturerbe erfüllt, fährt nämlich bei uns auch durch, vorwiegend nachts. Mit der S13 kommen neue Lärmschutzwände. Schön ist was anderes, aber ohne sie geht es nicht mehr. Tempolimit ist eine gute Idee, Vor allem beim Durchrasen durch den Beueler Bahnhof, in dem in den nächsten Wochen vermehrt ICE-Fahrgäste Orientierung suchen. Ob ihnen jemand hilft? Echte Menschen gar?

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net

Ein Kommentar

  1. Helmut Lorscheid

    Beim Thema Bahn möchte ich nochmals auf das Buch von Arno Luik verweisen, das befasst ich auch umfassend mit der “Konzernspitze” der Bahn und trägt auch deshalb den Titel “Schaden in der Oberleitung”.
    und da steht mehr darüber: https://extradienst.net/2021/04/18/schaden-in-der-oberleitung/

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