Ein China-Korrespondent der SZ, Christoph Giesen, gab Nils Zurawski/telepolis ein lebensnahes plastisches Interview über sein Leben und seine Arbeit in China. Nun bin ich selbst gegenüber der deutschen China-Berichterstattung, an der Giesen durchaus führend mitarbeitet, recht reserviert. In diesem Fall bin ich geneigt, seine Interviewaussagen als glaubwürdig zu betrachten. Zumal sie nicht den geringsten Anlass bieten, die Ausfahrt eines Kriegsschiffes in diese Richtung als “diplomatische Mission” zu bezeichnen.
Zumal die Fallen, in die EU und Nato regelmässig tapsen, immer noch von ihnen selber gestellt werden. Es bleibt nur die Frage, die ich mir noch nie selbst bejahen konnte, ob das in China, bei allen unbezweifelbaren Erfolgen, als “Sozialismus” zu bezeichnen ist. Die chinesische “Kulturrevolution” war Terror. Was auf sie folgte, als sie endlich besiegt war, war eine spezifische nationale Interpretation von staatlich gelenktem Kapitalismus. Dabei mglw. etablierte Strukturen potenziell demokratischer Kontrolle degenerieren – sicher auch unter dem geostrategischen Druck der USA und ihrer Verbündeten – in den letzten Jahren zunehmend zu einer besonders gigantösen Autokratie. Schön ist das nicht. Und also kein Sozialismus.
Was kommt?
Der geschätzte Kollege Thomas Knüwer versucht sich alljährlich an Prophezeiungen, streng systemimmanent und damit ansatzweise realistisch. Streng geht er auch mit sich selbst und seinen früheren Prophezeiungen um, angenehm transparent und selbstkritisch. Bravo.
Geht doch
Noch besser gefällt mir, dass die Kolleg*inn*en von netzpolitik.org im letzten Jahr doch tatsächlich beim Spendensammeln für ihre paywall- und also gemeinfreie gemeinnützige journalistische Arbeit die Millionengrenze überwunden haben. Starke Sache, herzlichen Glückwunsch!