Karl-Heinz Roth kreuzte in meiner politischen Jugend nicht meinen Weg. Wahrscheinlich hätten wir uns heillos gestritten. Sein Doktorvater Hans-Josef Steinberg ist mir in Erinnerung geblieben. Der gebürtige Kölner wurde der zweite Präsident der Uni Bremen. Als kämpferischer Sozialdemokrat musste er seine Uni gegen Diffamierungen als “rote Kaderschmiede” verteidigen, während ihm die ortsansässigen Linkssektierer das Leben ebenfalls nicht leichter machten. Steinberg kenne ich aus der damaligen Berichterstattung im Kritischen Tagebuch des WDR, das 2003 einen politischen Tod gestorben ist. Ich nehme an, der Doktorvater Steinberg und der Doktorand Roth haben sich auch fleissig gestritten.
Roth hat seitdem an Altersweisheit zugelegt. Immerhin wird er dieses Jahr 80. Aus Wertheim stammend, dürfte er bei Heimfahrten immer sehr Leckeres zum Essen kriegen. Das Kaff ist ein Gourmet-Hotspot.
Wie komm’ ich drauf? Gestern stiess ich auf eine selten entdeckte elaborierte linke Kritik der herrschenden Pandemiepolitik: Der große Lockdown war niemals alternativlos – Der Arzt und Historiker Karl Heinz Roth über die Coronapandemie, folgenschwere Fehleinschätzungen und notwendige Konsequenzen für unser Gesundheitssystem.” – so der Teaser-Text zu einem Interview, das Matthias Becker für telepolis mit ihm führte.
Ähnliche Debattenbeiträge vor 1 1/2 bis 2 Jahren hätten das eine oder andere Hereinfallen deutscher Bildungsbürger*innen auf die Querdenken-Unternehmer vermeiden können. Aber für Vernunft ist es nie zu spät.
Lesen Sie zur Inkonsistenz der gegenwärtigen deutschen Pandemiepolitik, die sich von dem Popanz “Impfpflicht” offensichtlich komplett paralysieren lässt, ergänzend Andreas v. Westphalen: Genesene? Welche Genesene? – Nachdem das RKI die Dauer des Genesenenstatus halbiert hat, war das Unverständnis groß. Die Entwicklungen der letzten Woche haben es noch deutlich vergrößert”
Ein etwas andere Betrachtung hat Joachim Müller-Jung/FAZ, der mit Westphalen nur die Verzweiflung über die öffentliche Debattenlage teilt: “Coronapolitik und Experten : Wenn die Willkür viral geht – Eine Infektion mit dem Omikron-Virus verläuft öfter milde. Dennoch erweist sich die neue Welle für die Politik und ihre Ratgeber zunehmend als Gift. Gibt es eine Deutungshoheit um die beste Strategie?” Den hat sein Verlag aber eingemauert.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net