von Detlef zum Winkel
Und ein klassischer Fall von Zensur

Ein sehr beachtlicher Vorgang ist zu beobachten: fünf ehemalige Premierminister Japans – Junichiro Koizumi, Morihiro Hosokawa, Naoto Kan, Yukio Hatoyama und Tomiichi Murayama – wandten sich am 27. Januar mit einem offenen Brief an die EU-Kommission und teilten mit, sie seien schockiert zu erfahren, dass Atomenergie in die Nachhaltigkeitskriterien der EU (Taxonomie) aufgenommen werden soll. Hier eine Übersetzung des Briefs.

Koizumi und Kan präsentierten ihre Initiative auf einer Pressekonferenz am 27. Januar im Club der Auslandskorrespondenten in Tokio.

Das dringliche Engagement der ehemaligen Premiers offenbart eine gewisse Vergeblichkeit der freien Meinungsäußerung in unseren westlichen Demokratien. Es wurde nicht erhört, weil es nicht einmal ge-hört werden konnte.

Im deutschsprachigen Raum berichtete lediglich die Kölner Plattform Sumikai, Aktuelle Nachrichten aus Japan, über den Brief: “Klares Nein zur Atomenergie – Japans ehemalige Premierminister fordern die EU zum Verzicht von Atomkraft auf”.

Am 3. Februar berichtete auch telepolis.

Die großen Medien werden die Nachricht sicher auch irgendwann mal unterbringen, wenn das Thema an Aufmerksamkeit verloren hat.

Nachdem dies mindestens als sehr unhöfliche Reaktion anzusehen ist, als Grobheit gegenüber Politikern eines Landes, das den letzten SuperGAU erleben musste, bleibt abzuwarten, ob Frau von der Leyen überhaupt den Mut findet, den Brief zu beantworten.

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