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Scheiß-Olympia macht Kind kaputt

Die von Kommerzinteressen der Thomas-Bach-Clique, internationaler Medien-Profitgier und eiskaltem Machtkalkül der Diktatoren vom Kaliber Xi Jingping beherrschten “Olympischen Spiele” haben heute einen besonderen Kracher gelandet, der ein finales Licht auf die Skrupellosigkeit des ganzen Unternehmens wirft. Die 15-jährige russische Eiskunstläuferin, Kamila Valieva, so minderjährig wie mit Doping-Herzmitteln vollgepumpt, lief zunächst genial, geriet unter Dopingverdacht, brach unter dem öffentlichen Druck bei ihrer wichtigsten Kür letztlich zusammen.

Kathi Witt,  Co-Moderatorin des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, konnte es nicht ertragen und wendete sich spontan schluchzend ab – sie weiss genau, was ehrgeizige Eislauftrainerinnen im Ostblock Jugendlichen abverlangen. Ein öffentlicher Mißbrauch in einer unerträglichen Weise. Hat diese Tochter keine Eltern, und wenn ja, was für welche? Ich hätte meine Tochter längst nach Hause geholt! Und ich weiss, wovon ich rede. Meine Tochter war mal so mit 13/14 mit ziemlichem Erfolg im Säbelfechten engagiert. Bonn war damals noch  Olympiastützpunkt und hatte gute Trainer, die machten keinen Stress. Den machten manche Mütter, die ich an einigen Turnierwochenenden kennen lernen konnte.  Die standen noch brüllend hinter ihren Töchtern, wenn die schon weinend die Kampfbahn und die Halle verlassen wollten. Das hätte ich als Vater niemals zugelassen.

Gleichwohl ist das eine ganz andere Liga, aber was die Olympia-Vergewaltiger an der 15-jährigen Kamila veranstaltet haben, gehört als psychische Folter an einer Minderjährigen strafrechtlich verfolgt. Ärzte wie Trainer, Funktionäre wie Betreuer, Eltern wie Politiker, Journalisten wie Sponsoren. Es bleibt nur eine Konsequenz:

Olympia ist rücksichtslose Macht, Olympia ist grenzenloser Kommerz, Olympia ist antidemokratisch und verletzt Menschenrechte – Olympia ist einfach böse!

Über den/die Autor*in: Roland Appel

Roland Appel ist Publizist und Unternehmensberater, Datenschutzbeauftragter für mittelständische Unternehmen und tätig in Forschungsprojekten. Er war stv. Bundesvorsitzender der Jungdemokraten und Bundesvorsitzender des Liberalen Hochschulverbandes, Mitglied des Bundesvorstandes der FDP bis 1982. Ab 1983 innen- und rechtspolitscher Mitarbeiter der Grünen im Bundestag. Von 1990-2000 Landtagsabgeordneter der Grünen NRW, ab 1995 deren Fraktionsvorsitzender. Seit 2019 ist er Vorsitzender der Radikaldemokratischen Stiftung, dem Netzwerk ehemaliger Jungdemokrat*innen/Junge Linke. Er arbeitet und lebt im Rheinland. Mehr über den Autor.... Sie können dem Autor auch im #Fediverse folgen unter: @rolandappel@extradienst.net

2 Kommentare

  1. Martin Böttger

    Ich gucke Olympische Spiele, seit ich TV-glotzen kann, also seit 1964 (Tokio), und seit 1968 (Mexiko) mit politischem Bewusstsein. Das Massaker von Tlatelolco war mir als 11-jährigem schon nicht entgangen.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Massaker_von_Tlatelolco
    Die in dem Wikipedia-Eintrag erwähnte Reportage von Oriana Fallaci habe ich viele Jahre später gelesen, und mir sind dabei die Tränen so gekommen, wie gestern angeblich bei Frau Witt.
    “The games must go on” war seinerzeit schon das Dogma. Als TV-Sportinteressiertem war mir schon früh klar, dass bestimmte Sportarten, spontan fallen mir neben Eiskunstlauf dazu z.B. Turnen/Gymnastik und Schwimmen ein, Pädophilen-Festspiele sind. Das Business rührt das nicht.
    Katharina Witt war insofern ein sportlicher Sonderfall (eine Ausnahmeerscheinung in ihrer Sportart!), weil sie erst als erwachsene Frau den Leistungshöhepunkt ihres eiskünstlerischen Schaffens erreichte – das hatte sogar mich fasziniert. Mann konnte ihr in ihrem individuellen Emanzipationsprozess live zusehen. Starke Inszenierung! Die SED und Honecker waren mir in dem Zusammenhang egal.
    Die Chefs im Ring dieses kriminellen Business sind die Medien. Denn sie bezahlen das alles. Die öffentlichen von unserem Geld. Im Gegensatz zum Fussball, in dem Europa und Asien dominieren, sind bei Olympischen Spielen US-Konzerne die, die die “Musik” bestimmen.

  2. Claudia Regina Winck

    Es ist nicht nur „Scheiß-Olympia“, es ist das System Leistungssport überall da, wo Athleten gedrillt werden auf Höchstleistungen, um das Renommee eines Staates bei internationalen Wettbewerben zu heben.

    Wieviel Entscheidungsfreiheit über ihr Leben dürfte dieses 15jährige Mädchen noch gehabt haben, bei der ganzen Entourage um sie herum? Die Trainerin ist mit ihrem Camp als Schleiferin berüchtigt – und dass sie das ist, zeigte die Szene, als die weinende Walijewa nach ihrer missglückten Kür völlig aufgelöst wie ein Häufchen Elend an der Bande stand.
    Kein Wort des Trostes, kein in den Arm nehmen.
    Stattdessen ein gezischtes „Warum hast du nicht gekämpft?“ Diese Äußerung überlieferte das ARD-Fernsehen in seiner Berichterstattung.
    Dieses Mädchen ist eiskalt benutzt worden, einschließlich des vermutlichen Dopings.
    Und da dürften vermutlich auch ihre Eltern nichts zu sagen gehabt haben – die waren wahrscheinlich stolz darauf, dass ihre Tochter zu einer Berühmtheit avanciert war. Denn dass sie ein Ausnahmetalent ist, das sieht man auch als Eiskunstlauflaie.
    Es ist eine menschliche Tragödie und kein Wunder, dass sie an dem Druck zerbrochen ist. Ihr Betreuerstab hat sie nicht nur verheizt, sondern regelrecht „verbrannt“.
    Was sie jetzt wohl bei der Heimkehr in Russland erwartet?

    Das perfide ist, dass die Russen genau wissen, dass Athleten unter 16 Jahren diesbezüglich wohl einen besonderen Schutz genießen und das gnadenlos ausgenutzt haben.
    Und wie bedenklich dieses System ist, zeigt auch die Tatsache, dass die Zweitplatzierte, ebenfalls Russin, ebenfalls aus der „Schmiede“ Tutberitse, nach der Silbermedaille tobte und zeterte, sich um den Olympiasieg, den ihre Landsfrau errang, betrogen fühlte.
    Das ist nur noch krank!

    Wie titelte ein Nachrichtenonlineportal zynisch, aber leider zutreffend: „Wegwerfmädchen“ 😔.
    Gerade die Schützlinge dieser Trainerin – nach frühen Erfolgen verschwinden sie in der Versenkung, physisch und psychisch verheizt.
    Weil die nächsten schon in der Warteschleife stehen.

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