Waffenlieferungen an die Ukraine sind platter Politiker*innen-Symbolismus und eine beliebte Jaodernein-Frage billig arbeitender Medien. Schlauer sind die Fragen, die Michael Maier/Berliner Zeitung an Bundeskanzler- und Auswärtiges Amt stellt. Ist die deutsche Diplomatie ins Billigsegment abgestürzt? Oder hatten die in Berlin keine Zeit, sich von ihr adäquat beraten zu lassen? Interessant auch Maiers Hinweise auf den Rest der Welt.
Sind Waffenlieferungen grundsätzlich immer fies? Oder können sie auch Gutes?
Diese Frage stelle ich mir ernsthaft mit einem Blick nach Mexiko. Vor knapp einem Jahr bekam der mittelständische baden-württembergische Handwerksbetrieb “Heckler & Koch” ernsthafte PR-Probleme. Sogar die Tagesschau interessierte sich dafür. Spätestens dann merkt auch die dümmste PR-Abteilung: jetzt wird es ernst.
Ich gehe davon aus Heckler & Koch hat an den mexikanischen Staat geliefert. Schon bei uns gibt es berechtigte Zweifel, ob unsere Sicherheitsbehörden Sicherheit liefern, oder nicht lieber falschdenkende (oder falschfarbige) Mitbürger*innen drangsalieren. In Mexiko gibt es diese Zweifel nicht, sondern Gewissheit. Der jetzige Staatspräsident “AMLO” hat mit diesem Argument seine Wahl gewonnen. Und jetzt, wie alle vor ihm, Mühe, wenigstens einige Versprechungen einzuhalten.
Da kann es nicht ausbleiben, dass Bürger*innen ihre Sicherheit selbst organisieren, wie z.B. in der Gemeinde Cherán im Bundesstaat Michoacán.
DLF-Kultur-Autor Paul Welch Guerra ist im Hauptberuf wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU Berlin, Fakultät Planen Bauen Umwelt. Und ich kombiniere, dass er zum Umfeld der in Berlin residierenden allseits respektierten Lateinamerika-Nachrichten gehört.
Meinen Horizont hat er erweitert. Können Waffen also nützlich sein, wenn sie nur von den “Richtigen” eingesetzt werden? Ich fürchte, schon diese “wenn-dann”-Fragestellung verkürzt und banalisiert das Problem. Es geht um Politik, Soziales, und wie immer: “It’s the economy, stupid!” In diesem Fall die etablierte Drogenökonomie. Angeblich wird seit Jahrzehnten von allen Regierungen gegen sie “Krieg” geführt, von den USA z.B. seit dem verurteilten Straftäter im Amt Richard Nixon. Da ist er wieder, der Symbolismus. Objektiv eine Lüge.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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