Dieser Artikel wurde vor einer Woche geschrieben, also vor dem russischen Angriff auf die Ukraine. Von der Sache her ist er leider sehr aktuell. Die Wiener Atombehörde hat bereits eine deutliche Warnung ausgesprochen. Über Nacht sind die 15 ukrainischen Reaktoren (in fünf Atomkraftwerken) zu den gefährdetsten und damit gefährlichsten Nuklearanlagen der Welt geworden. Tschernobyl haben die russischen Truppen bereits eingenommen. Die Situation dort beschrieb das ehemalige Mitglied der deutschen Reaktorsicherheitskommission, Michael Sailer, in der ARD-Tagesschau. Riskanter als der durch eine Stahlhülle gesicherte Unglücksreaktor von 1986 seien die weiteren drei Reaktoren des Standorts, die zwischen 1991 und 2000 stillgelegt wurden. In ihnen lagert noch der verbrauchte Brennstoff mit einer enorm hohen Strahlungsmenge. Für diesen Atommüll wurde ein sogenanntes Trockenlager errichtet, das im April dieses Jahres in Betrieb genommen werden sollte. Die militärische Eroberung geschieht also mitten in einem Arbeitsprozess, bei dem diese Umlagerung vorbereitet wird (Tschernobyl ist im Unterschied zum nahegelegenen Pripjat eher eine Industrieanlage als ein menschenleerer Ort).
Inzwischen heißt es beruhigend, russische Fallschirmjäger und ein ukrainisches Wachbataillon würden die Anlage gemeinsam “kontrollieren”. Das ist allerdings überhaupt keine Beruhigung, weil Militärs mit welcher Uniform auch immer keine Ahnung von den dort stattfindenden komplizierten und gefährlichen Arbeitsprozessen haben. Sie sollten am besten verschwinden.

Ein lebensnahes Beispiel für “Nachhaltigkeit” und energiewirtschaftliche “Unabhängigkeit” durch Atomenergie.

Über den/die Autor*in: Detlef zum Winkel (Gastautor)

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