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LongCovid

Das Virus hatte mir kürzlich einen Kurzbesuch abgestattet. Eine gute Freundin meldete sich vom fiebrigen Krankenbett und riet mir, mich zu testen. Und siehe: ach Du Schreck, “positiv”. Gemerkt hätte ich nichts. Die Symptome waren geringer, als das, was ich eine “Erkältung” genannt hätte. Mutmasslich hatte ich einfach Glück. Nach Aberkennung meiner Boosterung von Ende November im Januar hatte ich Anfang dieses Monats – endlich – die Nächste empfangen. Mutmasslich hat die alles im Zaum gehalten. Nachdem ich das endlich hinter mich gebracht habe, lese ich Frau Stokowski/Sp-on zu LongCovid.

Gegenüber ihr verfüge ich über mehrere wichtige Vorteile. Ich muss nicht vom Schreiben leben. Als Rentner geniesse ich die Luxuslebensqualität alles hektikfrei und bewusst geniessend-langsam zu erledigen. Ob das nun mit LongCovid zusammenhängt, kann ich überhaupt nicht feststellen. Bei mir ist es freiwillig, mein eigener Wunsch. Meinen Schlaf bestimme ich selbst. Ich habe ihn gern. Und reagiere empfindlich, wenn ihn jemand stört. Das war während meiner “Positiv”-Zeit in drei Nächten hintereinander zwischen 3 und 4 Uhr der Fall. In zweien davon genügte es, mich umzudrehen und die Augen erneut zu schliessen.

Ein neues Symptom ist, dass ich neuerdings morgens beim Aufwachen einen leichten Kopfschmerz wahrnehme, trotz nächtlich geöffnetem Fenster. Er verfliegt nach wenigen Minuten nach dem Befehl von Hirn an Kreislauf, den Betrieb aufzunehmen. Ich habe es also gut und komfortabel, im Vergleich zur wesentlich jüngeren Frau Stokowski.

Sie macht auf einen politischen Hammerschlag aufmerksam, der in diesen Kriegstagen den meisten (Medien) entgeht. Die Politik stellt auf Durchseuchung um. Wenn es bei allen so wäre wie bei mir, würde ich urteilen: meinetwegen. Machet, nur damit es endlich “vorbei” ist. Ist es aber nicht. Wenn es so ist, wie Frau Stokowski behauptet, dass 10-15% an LongCovid laborieren, dann scheidet die Durchseuchung ebendiese aus der kapitalistischen Produktion und Zirkulation aus.

Als Kapitalismus kann mann das so machen. Human oder gar sozial gerecht ist was anderes. Und was ist mit den Ländern ohne Impfung?. Lesen Sie dazu ergänzend die DLF-Reportage von Bettina Rühl zur Pandemielage und -forschung in Afrika.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net

Ein Kommentar

  1. Der Maschinist

    Ja, Martin, so ist das mit Statistiken. Über den Einzelfall sagen sie gerad’ nix. Und weil offenbar nur Rheinländer:innen wissen, dat jeder Jeck anders is, ist auch jede Empfehlung der Wissenschaft an die Politik eigentlich immer die Falsche… da liegt es nahe zu sagen “Augen zu und durch”. Omikron schien wie gemacht für eine “Durchseuchungsstrategie”: Hohe Ansteckungsraten, vergleichsweise gut beherrschbare Symptome… also FREIHEIT für alle, sich anzustecken. Ganz so wie du. Die die 7-Tage-Inzidenz im Kreis Coesfeld liegt heute bei 2.149,0. Im letzten Jahr waren wir 323 Tage lang unter einer Inzidenz von 100.
    Grundsätzlich finde ich anekdotische Krankheitsgeschichte immer schwer zu ertragen. Kaum sagst du was du hast, kannst du dich vor gutgemeinten Ratschlägen und Erfahrungen anderer kaum retten. Ist bei Covid ja nicht anders. Der hatte nix, die war nach drei Tagen wieder fit, der kann nach sechs Wochen noch immer keine Treppen steigen, die ist gestorben. Alles dabei.
    Dazu kommt dann noch das Vaxin-Lotto. Einmal, zweimal, viermal geimpft… und trotzdem krank geworden? Iss eben so! Pech gehabt.
    Meine Covid-Wirklichkeit sah ganz so aus wie deine. Dreimal geimpft, drei Tage krank. Mag an unserer genetischen Disposition liegen? Vielleicht hatten wir auch einfach eine “freundliche” Sub-Variante. Weiß keine:r. Dass es auch anders geht, sehe ich in unserem Haushalt aus dem sich meine Frau, nach fast gleichzeitiger Erkrankung mit mir, nun nach fast 5 Wochen Krankenschein wieder zur Arbeit schleppt. Und das ist dann auch noch ein Kindergarten (ausgerechnet)… Ginge es nach mir, würde sie solange Zuhause bleiben, bis ihr erbärmlicher Husten und ihre Kurzatmigkeit sich wieder normalisiert haben. Doch unser System beruht auf dem Prinzip Selbstausbeutung – gerade in Sozial- & Gesundheitsberufen. Da bleibt Frau nicht “einfach Zuhause” wenn ohnehin schon 25% der Belegschaft ausgefallen ist und sie selbst ja schon wieder “negativ” ist. Da schleppt Frau sich eben zur Arbeit, weil der Laden, wenn es nicht so wäre, zumachen müsste… Und bevor in NRW eine KiTa geschlossen wird weil sie unterbesetzt ist, bekommt Gerhard Schröder vermutlich den Friedensnobelpreis.
    Inzwischen finde ich es wichtig diese Krankengeschichten zu teilen. Eben weil es wichtig ist, weil “die Statistik” eben vom Leben nix weiß. Danke dir, Martin, danke Margarete Stokowski…
    Die ökonomischen Kosten dieses Virus hören mit dem Freedom-Day nicht auf. Das wird noch eine lange Post-Covid Rechnung bis wir eine wirkliche Bilanz ziehen können. Und dem liegen dann keine Anekdoten mehr oder unglückliche Einzelfälle zu Grunde, sondern massive Kosten die das Gesundheitssystem schultern und wir alle bezahlen werden müssen. Von unserer Gesundheit einmal abgesehen. Vorbei – auch “das schlimmste” – ist hier noch gar nix! Und In den Ländern ohne Impfung ist der Preis nochmal entsprechend höher.
    Ich wünsche allen Erkrankten eine baldige und völlige Genesung!
    Erzählen sie ihre (Kranken-)Geschichte ihren Bundestagsabgeordneten und Ministerpräsident:innen!
    Geben sie aufeinander acht!

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