Und was war es schon immer?
Zur letzten Frage zuerst. Besonders gefährlich für die Menschheit sind immer absteigende oder gar abstürzende Weltmächte. Das sind derzeit alle ausser China, und das ist selbst auch nicht ungefährlich. Abstürzend ist Russland. Denn alles, was seine politische Führung derzeit verbricht, ist von Torschlusspanik gezeichnet. Alle sind fies zu “uns” und wollen “uns” ans Leder. Die Russinnen und Russen sind dieser Plural nicht. Aber sie stehen mehrheitlich hinter ihrer politischen Führung, weil sie keine Alternative kennen. (Geheimtipp: Nawalny ist es nicht.) Nicht wenige hierzulande sind darum recht ungerührt, wenn harmlose russische Auslandsstudent*inn*en keinen Zugang mehr zu ihrem knappen Geld bekommen. Wer falsche Weltsichten hat, soll “gerecht” bestraft werden.

Russland ist jetzt besonders gefährlich. Welche Machtmittel nach aussen hat ihre Führung noch – ausser den Atomwaffen? Die reichen aus, um den Planeten für menschliche Lebensformen komplett unbewohnbar zu machen. Noch vor dem Klimawandel.

Was Russland hat, haben die USA sowieso. Sie stürzen nicht, sondern sie steigen ab, und merken es allenfalls im Unterbewusstsein ihrer intelligenteren Denkpanzer (“Thinktanks”). Sie verfügen über durchaus zutreffende Analysen. Russland ist wichtig, aber nicht der Hauptgegner. Der ist China. Um gegen China bestehen zu können, müssen die USA verhindern, dass die weicheiigen Europäer*innen untreu – oder noch schlimmer: gar strategisch selbstständig – werden. Dann wäre es über kurz oder lang um die Weltherrschaft des Dollars geschehen, und die USA würden ein insolventer Schuldner. Alles darf passieren, aber nicht das.

Wer Augen für das Weltgeschehen hat, wird erkennen: ganz schön riskant, die Nummer.

Der Herr Cechura/telepolis meint – etwas voreilig – die “Gewinner” und “Verlierer” des Ukrainekrieges schon zu kennen. Mit Prophezeiungen sollte mann vorsichtig sein, insbesondere was die Zukunft betrifft. Aber abwegig erscheinen seine Ausführungen nicht. Wir sind halt von Bescheidwisser*inne*n umstellt. Waffen nieder. Bin ich sowieso für.

Was ist anders an Russland?

Der Wanderer zwischen SPD und Linkspartei Michael Wendl, der mir schon als linker Juso ein Begriff war, erklärt es. Seinen aussenpolitischen Zungenschlag halte ich nicht für besonders ausgereift. Er ist ausweislich seines politischen Lebens ein Fachmann für Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik. Und unter diesem Vorzeichen ist sein Hinweis zentral, dass Russland nichts, absolut gar nichts, mit der ehemaligen Sowjetunion des vorgeblich “real existierenden Sozialismus” gemein hat. Russland ist darum null Alternative zu allem “Bösen” des neoliberalen Kapitalismus, sondern eher die Fratze seiner besonders radikalen Interpretation. Wer das nicht begreift, und das für “links” hält, der*dem ist nicht mehr zu helfen.

Arno Kleinebeckel/telepolis stützt Wendls Ausführung mit zusätzlichen ideologischen Details. Es wird deutlich, dass das antirussische Ressentiment, das seit 1914 Deutschland beherrscht, in Russland eine slawophil-rassistische Entsprechung findet. Das ist für die Herrschenden aller beteiligten Länder viel besser beherrschbar, als es die klassenkämpferische “internationale Solidarität” gewesen wäre, die durch zwei Weltkriege und anschliessende Kalte Kriege erfolgreich unterbunden und marginalisiert wurde. Und wird!

Es gäbe eine verblüffend einfache Methode, die oligarchischen Kriegsgewinnler und -verbrecher zu “kriegen”. Thomas Piketty/Freitag hat sie aufgeschrieben. Jede Wette: so wird es nicht gemacht. Denn dann kämen all unsere “guten” Oligarchen ja auch an die Kette. Das hat mit Freiheit nichts mehr zu tun. Nur 10 Millionen € – wer soll denn davon frei leben können? Das wäre fast schon “Sozialismus”. Und der wurde doch 1990 beerdigt. So eine Auferstehung hätte gerade noch gefehlt.

Was ist mit Iran?

Im Wahrnehmungsschatten des Ukrainekrieges laufen die Atomverhandlungen mit Iran weiter. Die Gerüchte sind lebhaft, aber eher widersprüchlich als konsistent – taktische Begleitmusik der Spindoktor*inn*en. Thomas Pany/telepolis gibt einen Überblick. Danke.

Kann mal jemand das Klima zum Moratorium nötigen?

Ganz schön blöd. Das ökologische System dieses Planeten, bei dem alles mit allem zusammenhängt, und wir Menschen nur ein kleines dominanzversessenes Teil sind, ist einfach nicht verhandlungsfähig. Lässt noch weniger mit sich reden als Wladimir Putin. Es zieht einfach aus allem, was die Menschheit tut oder lässt, Konsequenzen. Kein Kompromiss, nichts dergleichen. Wie fies ist das denn?

Ein sehr befreundeter Hydrogeologe hat mir dieser Tage aus Anlass der Tesla-Feierlichkeiten in Brandenburg versichert: “Trotz der negativen Vorhersagen für Brandenburg und Deutschland können solche Industriezentren wie die von Tesla immer noch nur in Europa oder Teilen von Nordamerika gebaut werden, weil die Süßwasserressourcen in anderen Teilen der Welt noch dramatischer sind.”

Dä.

Rheinpegel Bonn 184 cm, Corona-7-Tage-Pegel 1.800.

In “Forschung aktuell” des DLF geht es in 5 Minuten um “Todesursache Hitze – Sommerliches Extremwetter in Deutschland”. Da werde ich wohl eines Tages dabei sein. Bis dahin ist noch viel zu tun.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net