Siegfried ist ein weitverbreiteter deutscher Männervoname. Obwohl: seit den 60er Jahren eher kaum noch. Manche Eltern hatten aus seiner Geschichte gelernt. Kompromissfried aber wurde noch nie ein Kind genannt. Schade eigentlich. Nach Meinung von Peter Wahl “Kompromissfrieden oder Siegfrieden?” ist ersterer schon deswegen vorzuziehen, weil er realistischer zu erreichen ist, und vor allem mit weniger Todesopfern verbunden wäre.

Nur wenige führen solche politischen Begriffe heute in den öffentlichen Medienarenen noch im Munde. Es wird militärisch, militaristisch gedacht, gesprochen und disputiert. Roland Appel hat “Die drei Frustketiere” anvisiert, drei Politiker*innen, die sich von den Koalitionsparteien zurückgesetzt fühlen, und jetzt so eine Art “Herbert Wehner für Arme” aus der Ukraine gegeben haben, kaum dass sie “ihren” Bundeskanzler und “ihren” Bundespräsidenten gewählt haben.

Für die Jüngeren: Herbert Wehner war der SPD-Fraktionsvorsitzende unter “seinem” Genossen Bundeskanzler Willy Brandt. Von Moskau aus gab er 1974 ein TV-Live-Interview, ich habe es als 17-jähriger entgeistert gesehen, in dem er über Brandt sagte “Der Herr badet gerne lau.” Wenig später stürzte Brandt – vordergründig über den in seiner Nähe platzierten DDR-Spion Günter Guillaume. Die Tatsache seiner Spionagetätigkeit war den deutschen Geheimdiensten seit geraumer Zeit bekannt. Das Timing steuerte Wehner im Duett mit dem Inlandsgeheimdienst und dem Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher. So strategisch agieren die drei von Roland kritisierten nicht. Mir ist auch unklar, ob sie das überhaupt können.

Eine DLF-Moderatorin hat heute morgen dazugelernt – und mich aus dem Bett vertrieben, in dem ich üblicherweise morgens ihrer Arbeit lausche: “Das hiesse ja …”.

Bleiben noch meine heutigen Lektüreergebnisse “Köln und Sizilien”. Ich würdige FAZ-Texte von Andreas Rossmann (über Letizia Battaglia), Patrick Bahners (Wiederbesetzung der Leitung des NS-Dokumentationszentrums in Köln), sowie Andrea Seliger/telepolis über Schwedens Pandemiepolitik.

Gestern bereits angekündigt aus der ila ein Text von Fernando Dorado: “Damit die Würde zur Gewohnheit wird, carajo!” über die Formierung eines Linksbündnisses in Kolumbien vor der Präsidentschaftswahl. Wer will in Deutschland noch was von “Links” und “Bündnis”? Das gilt hierzulande als unvereinbar, und wird also von hiesigen Massenmedien ignoriert. Dass das woanders möglich ist … Die Einen wollen es nicht wissen, weil es ihre rechten Kreise stört. Die andern wollen es nicht wissen, weil es ihren linken Defätismus und ihre Rechthaberei irritieren könnte.

Nun freue ich mich auf die nächste Kolumne von Günter Bannas. Ich hoffe er macht keine Osterpause. Ihnen dagegen gönne ich sie.

Freundliche Grüße
Martin Böttger

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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