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Spin

Manchmal geht es wirklich vernagelt zu. Sandra Schulz/DLF interviewte heute morgen SPD-Fraktionschef Mützenich (Audio 15 min). Die Interviewerin interessierte sich vordringlich dafür, wie mehr und wirkungsvollere “schwere” Waffen an die Ukraine schneller geliefert werden können. Und welche Unstimmigkeiten es darüber in der SPD, speziell zwischen Scholz und Mützenich gibt. Es schien um die Frage zu gehen: wie wird Deutschland endlich, endlich Weltmeister im Waffenliefern?

Ich kenne das aus der Fussballdiskussion. Deutsche haben ein weltweites Bürgerrecht auf Weltmeisterwerden. Und wenn es ausnahmsweise mal nicht passiert, ist das ausserordentlich begründungspflichtig, und ca. 4-6 Rücktritte von Verantwortlichen müssen folgen. Mein Freund und Gastautor Dieter Bott hat dafür die Begrifflichkeit der “Sportifizierung” geprägt, die wie ein Virus die ǵanze Politikberichterstattung erfasst.

Hören Sie sich das Interview an. Mützenich unternimmt einige Versuche auszuführen, wie der Bundeskanzler und er verhindern wollen, dass uns in Deutschland der Himmel auf den Kopf fällt. Das hätte mich mehr interessiert, als die Frage, wer auf welchem Flur in Berlin wem was gesagt hat. Das ist der Interesseunterschied zwischen Moderatorin und Hörer, Blasenbewohnerin und der Welt hier draussen.

Wie kommt das zustande?

Ich nahm das zum Anlass zu suchen, woher dieser deutsche Leitmedienspin kommt. Wer sind die Spindoktor*inn*en? Naheliegenderweise suche ich, wer die PR für die Regierung der Ukraine macht. Es lässt sich nachlesen, dass die weltweit agierenden PR-Verbände ihre russischen Mitglieder rausgeschmissen haben, und sich danach drängeln für die Ukraine arbeiten zu dürfen. Transparenz über solche Prozesse ist kein leitendes Interesse – es ist schliesslich Krieg (das versuchte Mützenich subtil auch Frau Schulz zu erklären, die gerne jede einzelne Panzer- und Geschützlieferung nacherzählt bekommen wollte, s.o.).

Merkwürdigerweise gibt es kaum Berichte darüber, wer das toughe Bild von Präsident Selenskyj zeichnet. Der unverwüstliche Florian Rötzer (Ex-Telepolis-Chef) hat ein paar Details herausgefunden. Auch der österreichische Standard hat ein paar ukrainische Spin-Doktor*inn*en identifiziert. Der Standard ist so eine Art SZ von Österreich, nur mit weniger Stefan Kornelius. In Österreich ist die gesamte Debatte rationaler und cooler, täglich hier in der Glotze.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net

3 Kommentare

  1. w.nissing

    Wenn noch jemand Tischkanten braucht zum rein beißen, bitte schön, ich liefere die auch als Stangenware

  2. Annette Hauschild

    Ich habe da schon anfangs des Krieges versucht etwas herauszufinden, hab das aber nicht so weit verfolgt und vermutete erst mal hausgemachtes: private ukrainische Medien- und PR-Agenturen, die international vernetzt waren und schon früher für die Regierung gearbeitet hatten. Man kennt sich, man hilft sich und sitzt im selben Boot.
    Seit 2014 waren auch internationale Agenturen mit Büros oder ukrainischen Niederlassungen im Land, die auch für die Regierung arbeiten konnten oder wollten.

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