… als “ihre” Medien

War denn wieder alles umsonst? Milliarden und Abermilliarden wurden ausgegeben und investiert, um den deutschen Wähler*inne*n klarzumachen, wie wichtig es sei, dass Deutschland eine Grossmacht, gerne “Weltmeister”, wie alle anderen auch wird (“Normalisierung”, “entkrampfter Patriotismus” etc.). Wie wichtig es ist, freien Handel gegen alles Böse zu verteidigen. Und dass dafür selbstverständlich auch freier Rüstungshandel notwendig ist, so wie das Ausprobieren entsprechender Qualitätsprodukte deutscher Ingenieurskunst – weil es nicht anders geht, am lebenden Objekt von Jemen bis Somalia. Und dann das.

Die Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) hat die neuen Quartalszahlen (I/22) bekanntgegeben (bei den meisten nur eingemauert in der Paywall). Das ist die harte Währung aller verkauften Druckwerke (im Gegensatz zur “Media-Analyse”, die nur auf Umfragen basiert und schönere Zahlen ergibt). Während die nur noch wenigen Milliardär*inn*en gehörenden Zeitungsverlage penetrant die schönen Seiten verkünden (steigende Zahl – billigerer – Digitalabos), sieht es in Wahrheit düster aus. Da ändern auch die schönen Umfragen über das Vertrauen zu den “guten” (= teuren) Medien im Gegensatz zu den Bösen (in diesem Internet) nichts. Kriminelle Datendiebe sind sie alle, und in dieser Disziplin gewöhnlicher Kriminalität sind die “Profis” eindeutig die Schlimmsten.

Der Generalanzeiger Bonn (GA), immerhin weitgehender Monopolist in seinem Verbreitungsgebiet, hat mit dem Marktdurchschnitt (-4%) verloren, verkauft deutlich unter 60.000 Exemplare, und zwar inklusive E-Paper (+ 800 in einem Jahr). Aus diesen Zahlen ergibt sich, dass eine 2/3-Mehrheit der Bonner Haushalte auf die lokale Zeitung verzichtet, gedruckt und elektrisch.

Bin ich doch bei der Mehrheit? – Sie vielleicht auch!

Mit Manfred Güllner werde ich sicher keine Freundschaft mehr schliessen. 1984 war er Amtsleiter in Köln, und wie Roland Appel und ich (und das Bundesverfassungsgericht) gegen die damalige Volkszählung. Danach machte er sich selbstständig, und gründete das Marktforschungsunternehmen “Forsa Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH”. Neben dieser Tätigkeit wurde er bekannt durch seine aktive Mitgliedschaft in den “FroGs”, den “Friends of Gerd” (Schröder). Über heutige Aktivitäten dieses Vereins ist mir persönlich nichts bekannt.

Wie kommichdrauf?

Forsa hat einen Auftrag von Bertelsmann (RTL) zum Verkauf demoskopischer Daten und Ergebnisse. Die gibts diese Woche neu, und sie erstaunen (mich positiv).

55% finden die Unterstützung der Ukraine durch die Bundesregierung “gerade richtig” oder sogar “zu viel” (wie ich).

“Der Frage, ob man die Linie des Kanzlers richtig finde, der für ein eher zurückhaltendes Vorgehen Deutschlands plädiere, stimmen 65 Prozent zu.” Wie ich.

“56 Prozent der Bundesbürger teilen die Befürchtung, dass sich der Krieg in der Ukraine auch auf andere Länder in Europa ausweiten könnte, wenn weitere Waffen an die Ukraine geliefert werden.” Wie ich.

“63 Prozent aller Bundesbürger – und eine Mehrheit in allen Wählergruppen – meinen … , dass der Krieg letztlich nur durch Verhandlungen und eine diplomatische Lösung beendet werden kann.” Wie ich.

“77 Prozent sind … der Meinung, dass die Ostpolitik der früheren Bundeskanzler zu ihrer Zeit durchaus richtig war.” Wie ich.

“Die größten Sorgen bereiten den Bundesbürgern zurzeit … eine mögliche Ausweitung des Krieges in der Ukraine zu einem dritten Weltkrieg (… 65 Prozent).” Wie mir.

Die Daten wurden vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag von RTL Deutschland vom 22. bis 25. April 2022 erhoben. Datenbasis: 1007 Befragte. Statistische Fehlertoleranz: +/-3 Prozentpunkte.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net